TRANSMETROPOLITAN – Gemeingefährliche Zukunft

Beim ursprünglichen Erscheinen wie ein Schlag ins Gesicht oder ein Tritt in die tieferen Regionen, als Neuauflage viele Jahre später ein moderner Klassiker, der nichts von seiner Aggressivität verloren hat: In ihrem fiesen Science-Fiction-Comic „Transmetropolitan“ gewähren der englische Autor Warren Ellis („The Authority“) und der amerikanische Zeichner Darick Robertson („The Boys“) einen verstörenden Blick in eine völlig außer Kontrolle geratene, verkommende Zukunft des 23. Jahrhunderts, in der sich allein der an den Gonzo-Journalisten Hunter S. Thompson angelehnte Radikal-Reporter Spider Jerusalem mit den Mächtigen und Korrupten anlegt und dem Wahnsinn entgegenstellt.
Auf Deutsch liegt das dreckige, bitterböse Science-Fiction-Highlight seit Kurzem als fünfbändige Gesamtausgabe vor und gehört spätestens jetzt und in dieser Form in jede Comic-Bibliothek. Denn Ellis zeigt in seiner Serie, die im Original von 1997 bis 2002 lief und größtenteils bei Vertigo veröffentlicht wurde, was passiert, wenn der geballte Fortschritt jedwedes soziales Fassungsvermögen sprengt und dabei alle Vernunft und allen Anstand ausradiert. Ellis, der in seinen besten Momenten ein verträglicherer, umgänglicherer Alan Moore ist und längst ein ernstzunehmender Futurologe, fährt in den letzten Jahren übrigens erfolgreich zweigleisig und veröffentlicht neben Marvel-Auftragsarbeiten wie der innovativen Neudefinition von Moon Knight hoch interessante neue eigenständige Comic-Science-Fiction wie das geniale „Trees“, das leider noch auf eine deutsche Veröffentlichung wartet.

 

Warren Ellis, Darick Robertson: Transmetropolitan 5: Höllenfahrt. Panini, Stuttgart 2015. 388 Seiten, € 29,99