Die erste Regel des FIGHT CLUB

„Fight Club“ ist enorm gut „alt“ geworden. Das gilt sowohl für Chuck Palahniuks 1996 veröffentlichten Roman, als auch für David Finchers 1999 in die Kinos gekommene Verfilmung. Speziell die Leinwandadaption mit Edward Norton und Brad Pitt hat im Laufe der Jahre sogar enorm an Reputation gewonnen und steht in „Best Of“-Listen gern in den Top 10. Was durchaus erstaunlich ist, wenn man bedenkt, wie modern „Fight Club“ damals wirkte – und wenig ist schrecklicher als der „Zeitgeist“ von gestern.

Aber Finchers Streifen ist noch immer frisch. Eigentlich ist es sogar nur Pitts rote Jacke und vor allem die Art, wie er den Hemd- über dem Jackenkragen trägt, die ihn als Kind der späten 1990er verrät. Alles andere würde einen auch heute noch aus dem Kino blasen. Die grandiose, mitreißende Dynamik, der erzählerische Sog, der fiese Humor, die präzise komponierten Bilder, selbst der Twist und das apokalyptische Schlussbild.

Auch das Thema hat nichts von seinem Reiz verloren. Die Geschichte beginnt als visionäre Satire– Männer, die sich mit anarchischem Vergnügen eine Nische für ihre in der zivilisierten Gesellschaft verlorene Männlichkeit aufbauen – und endet als satirische Vision, denn die Nische weitet sich in größenwahnsinnige Dimensionen aus. Selten wurden Männer so lächerlich gemacht und durften sich gleichzeitig so wohlfühlen wie in „Fight Club“.

Es war natürlich eine verstörende, irgendwie unschöne, ganz und gar nicht harmlose Satire und der finale Twist wohl kaum fürs große Publikum abzeptabel, das vermutlich vor allem eine Fortsetzung des Serienkillerdramas „Sieben“ haben wollte. „Fight Club“ ging kampflos an der Kinokasse unter, erlebte aber auf dem Heimkinomarkt eine spektakuläre Revanche. Vielleicht half es, den Film in der eigenen Ikea-Einrichtung zu erleben, ein Stück Seife in Reichweite.

Chuck Palahniuk machte in den Jahren danach seinem Ruf als Provokateur alle Ehre, schrieb einen krassen Roman nach dem anderen, aber er blieb der „Fight Club“-Autor. 2014 hatte er dann wohl eine Eingebung und verfasste „Fight Club 2“ – allerdings nicht als Roman oder Drehbuch, sondern als Comic-Story, die derzeit zeichnerisch von Cameron Stewart (Sin Titulo) umgesetzt wird. Darin ist der namenlose Mann, der als Tyler Durden in den Ring stieg, zehn Jahre älter, mit Marla verheiratet, hat ein Kind – und das Projekt Chaos wurde durch Geheimratsecken, Rasenmäher und viele Pillen ersetzt.

Und wem das nicht genügt, Palahniuks aktuelle Storysammlung „Make Something Up: Stories You Can’t Unread“ enthält eine neue Geschichte mit dem Titel „Expedition“, in der Durden auf der legendären „Sündenmeile“ Hamburgs (!) unterwegs ist. Diese Story kann man hier sogar Online lesen – allerdings nur auf Englisch.

Der erste Band von „Fight Club 2“ erscheint im Dezember bei Splitter.

Und wer „Fight Club“ noch nie gesehen hat – oder sein Gedächtnis auffrischen möchte – hat die Gelegenheit dazu am Montag, den 31. August, denn dann läuft Finchers Meisterwerk mal wieder ganz Old School im Free TV (Kabel 1, 23.05 Uhr).