BUFFALO RUNNER – Leben und Töten im Wilden Westen

Ob „Die Fährte der Dämonen“ oder „Canoe Bay“: Die Anfänge der Besiedelung Amerikas haben es dem französischen Comicmacher Tiburce Oger, den man auch für Werke wie „Gorn“ oder „Die Herberge am Ende der Welt“ kennt, definitiv angetan. In seinem neuesten Panel-Western „Buffalo Runner“, der gerade bei Splitter auf Deutsch erschienen ist, zeichnet der 1967 geborene Autor und Zeichner das Leben des Wild-West-Scharfschützen Ed Fisher nach.

Dieses Leben beginnt tragisch und abenteuerlich, da der Sohn deutscher Einwanderer in Folge der Ermordung seiner Familie von Indianern verschleppt wird. Später kämpft er im Krieg ohne großen Plan auf Seiten der Südstaaten und verdient sein Geld schließlich als Büffeltöter und Ranch-Aufpasser, wobei ihm sein außerordentliches Geschick als Fährtenleser und sein Können mit dem Gewehr stets zupass kommt. Zugleich säumen allerdings Gewalt, Tod und persönliche Schicksalsschläge seinen Weg durch die neue Welt, in der alle Glücklosen ihr Glück suchen, viele aber nur Verderben finden …

Banditen, Indianer, Büffel, Rancher, Liebe, Rache, der Sezessionskrieg  – „Buffalo Runner“ hat alle Zutaten, die ein guter Western braucht, und sogar einen Gastauftritt von einem gewissen Theodore Roosevelt. Viel wichtiger ist jedoch, dass Tiburce Oger die Archetypen und Klischees des Genres in seiner gut erzählten Story aufgreift, ohne die wahren historischen Begebenheiten von der gängigen Wild-West-Romantik beschönigen und überstrahlen zu lassen. Bei Oger ist nichts verklärt, der Westen meistens rau, brutal und unbarmherzig.

Ein toller Western, der sich Hollywoods Schwarzweiß-Mythologie des Wilden Westens verweigert und zeichnerisch trotz des Einflusses von „Blueberry“ und „Comanche“ auf den Künstler immer mindestens eine Pferdelänge von den typisch-klassischen Vorbildern entfernt ist – und dadurch umso empfehlenswerter. Da macht es auch nichts, dass Prolog und Epilog ein wenig in der Luft hängen.

Hinten im Album gibt es noch ein Interview, in dem Monsieur Oger über seine Vorliebe für Western-Stoffe, seinen Protagonisten und eine weitere Nebenfigur nach realem Vorbild plaudert.

Tiburce Oger: Buffalo Runner. Splitter, Bielefeld 2015. 88 Seiten, € 18,80

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