MISTER WONDERFUL

In den Jahren 2007 und 2008 erschien Daniel Clowes’ „Mister Wonderful“ als Fortsetzungsgeschichte im „The New York Times Magazine“. 2011 folgte die überarbeitete, erweiterte englischsprachige Buchausgabe, und jetzt gibt es bei Reprodukt endlich ein Hardcover in deutscher Übersetzung. Dafür einen Platz im Regal zu finden, ist gar nicht so leicht – „Mister Wonderful“ kommt in einem extrem breiten Querformat daher.

Die Breitwand-Doppelseiten seines Comics weiß Mr. Clowes („Wilson“, „Der Todesstrahl“) jedoch zu nutzen, wie er überhaupt viele formale Register zieht, um die Geschichte und Folgen eines Blind Dates zweier Menschen im fortschreitenden Alter zu erzählen. All dies schildert Clowes aus der Perspektive des erfolglosen Marshall, der es richtig beschissen findet, alt zu werden, die Handy-Gesellschaft verabscheut, ständig an sich zweifelt, heftig mit sich ins Gericht geht und so gar kein Selbstvertrauen hat. Vielleicht nicht allzu verwunderlich, nachdem seine Frau mit mehreren seiner Freunden geschlafen hat und er erst sechs Jahre nach der Scheidung wieder ein Date hatte – mit einer drogenabhängigen Verrückten, die ihn am Ende beklaute. Entsprechend nervös und paranoid geht Marshall in sein Blind Date, und dann sitzt er nach langem Warten plötzlich seiner Traumfrau gegenüber, die genauso viele Macken hat wie er. Eine davon könnte allerdings alles beenden, bevor überhaupt etwas beginnt …

Der 1961 geborene Clowes, der übrigens glücklich mit seiner Familie in Kalifornien lebt, lässt seinen Underdog in romantischen und sozialen Angelegenheiten in Rekordzeit lebendig und sympathisch werden. Die schonungslose Introspektive überzeugt dabei genauso wie die Erzählweise und die gestalterischen Spielereien im ungewöhnlichen Format.

Really wonderful.

Daniel Clowes: Mister Wonderful. Reprodukt, Berlin 2015. 80 Seiten, € 24,00

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