DAS BLUT DER FEIGLINGE – Ein Killer-Thriller im 17. Jahrhundert

BLUTDERFEIGLINGE_cvrOstindien, im Jahr 1641. Ein englischer Handelsposten wird ausgeräubert und seine Betreiber auf brutalste Weise abgeschlachtet. 20 Jahre später werden grausam zugerichtete Leichen im Königreich England gefunden. Ein Fall für Ermittler Arthur J. Pike, Major des ersten Royal Horse Regiments, der sich mit Mitarbeitern auf die Jagd nach dem Mörder macht. Zuerst wird vermutet, dass die beiden Vorkommnisse nichts miteinander zu tun haben, aber man irrt sich, der Zusammenhang ist allerdings komplex und pikanterweise scheint auch die mächtige Niederländische Ostindien-Kompanie in dem Fall verwickelt zu sein….

Das Blut der Feiglinge“ stammt vom belgischen Autoren und Zeichner Jean-Yves Delitte, der in der Vergangenheit bereits mit Titeln wie „Neptune“, „Westminster“ oder „Tanatos“ besonders Thriller-Freunden den Puls zum Pochen brachte. In seinem neusten Werk frönt der talentierte Geschichtenerzähler und Zeichner erneut seinem Steckenpferd: Thrillerplot, gewürzt mit exotischen Handlungsorten. Das ist zwar sicherlich ein bisschen trocken erzählt, reißt einen dank einer klugen Erzählstruktur mit vielen Zeitsprüngen, dem angenehm ruhigen Rhythmus der Geschichte und einem dankenswerten Verzicht auf falsche Zurückhaltung bei Gewaltdarstellungen (es ist nun mal eine raue Zeit und der Protagonist hat einen rauen Job) sofort mit. Der größte Pluspunkt sind aber die Zeichnungen: Delitte ist ein klassischer, naturalistischer und allem sehr detailversessener Künstler, was sich in prächtigen, extrem stimmungsvollen Bildern niederschlägt – vor allem in die an drei Stellen auftauchenden, auf einer Doppelseite ausgebreiteten Kostproben seines Könnens möchte man am liebsten reinkriechen, wahre Meisterwerke!

Angemerkt werden sollte aber, dass das zwar unbedingt lohnenswerter, aber vielleicht nicht für Jedermann unbedingt leichter Stoff ist. Nicht nur dank der Zeitsprünge und der recht großen Textlastigkeit ist eine gewisse Aufmerksamkeit notwendig, auch dank einer Eigenart Delittes, die dazu führen wird, dass der ein oder andere Leser etwas brauchen wird, um die Charaktere auseinander zuhalten, denn auch hier verpflichtet sich der Schöpfer ganz dem Realismus: Seine Figuren sind nicht comictypisch stark voneinander abgegrenzt, sondern unterscheiden sich eher durch Details – wie im echten Leben halt oftmals auch. Wer diese Hürden allerdings nimmt, wird reichhaltig belohnt und sich immer wieder in diese düstere und auch mysteriöse (ein Teil der Handlung spielt auf der Insel Java) Welt hineinbegeben wollen.

Jean-Yves Delitte: Das Blut der Feiglinge – Yamas Rache. Panini, Stuttgart 2016. 48 Seiten, € 13,99