Milieustudie über DIE STRASSENKINDER VON MONTMARTRE

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Strassenkinder_cvrNach „Die Herberge am Ende der Welt“, „Canoe Bay“, „Frenchmen“ und „Pawnee“ präsentiert der Splitter-Verlag mit  „Die Straßenkinder von Montmartre“ von Autor Patrick Prugne erneut ein echtes Comic-Kunstwerk.

Patrick Prugne beweist mal wieder, dass er ein begnadeter Zeichner ist, der auch mit diesem Band wieder ein optisches Meisterwerk abgeliefert hat.

Die Story beginnt im Juni 1905 am Montmartre. Die geschäftige Großstadt boomt und brummt und dehnt sich immer weiter aus. An ihren Rändern jedoch haben sich all diejenigen angesiedelt, denen es nicht vergönnt ist, am wachsenden Wohlstand teilzuhaben – Glückssucher aller Art, Künstlertypen und die Ärmsten der Armen.

Darunter ist auch eine Kinderbande, zu der vier Jungs und ein Mädchen gehören. Ihre Spitz-/Namen sind Paulo, Pik-As, Strippe, Däumling und Manon. Sie sind alle Straßenkinder und versuchen aus ihrem Elend das Beste zu machen. Genannt werden sie Poulbots. Poulbot ist ein Zeichner, der vor allem für seine Darstellungen der Kinder von Montmartre berühmt ist, denen er seinen Namen gab. Sein gesamtes Leben hindurch hörte Poulbot nicht auf, sie darzustellen und sich zum Verfechter ihrer Sache zu machen.

Die besagten Straßenkinder Paulo, Pik-As, Strippe, Däumling und Manon treffen zufällig auf Jean, der aus gut situiertem bürgerlichem Haus stammt. Sie nehmen ihn sozusagen gefangen, um ein Lösegeld von Jeans Familie zu erpressen. Dieser schlägt seinerseits vor, das Tafelsilber aus dem Haus seiner Eltern zu stehlen. Irgendwie klappt die ganze Geschichte nicht wie geplant und statt des Tafelsilbers lassen die Kids die Urne der Großmutter mitgehen. Zu allem Überfluss verstreuen sie nichts ahnend die Asche.

Langsam kommen sich die Kinder trotz der sehr unterschiedlichen sozialen Herkunft immer näher. Sie schaffen es sogar, ihren geliebten Froschtümpel zu retten und eine Bebauung der Gegend zu verhindern. Am Ende wir Jean sogar in die Gemeinschaft der Straßenkinder aufgenommen …

Patrick Prugne gelingt es, in warmen Aquarelltönen ein einzigartiges Lebensgefühl einzufangen, das zwischen bitterer Not und stolzem Selbstbehauptungswillen das Leben an sich feiert. Dass seine Bilder dabei auch Einflüsse berühmter Montmartre-Künstler jener Zeit wie Poulbot oder Steinlen aufweisen, versteht sich von selbst – schließlich treten sie im Rahmen der Erzählung ja selber auf. Die Charaktere der Handlung sind gelungen und glaubhaft dargestellt. Ein Album zwischen Nostalgie und den Träume einer Kinderbande.

Und der Band wäre nicht von Splitter, wenn da nicht wieder ein Bonus für die Leser vorhanden wäre: 25 Seiten bestehend aus Skizzen, ein Glossar zum Skizzenteil und eine Biografie über Francisque Poulbot runden dieses Comic-Meisterwerk ab.

Eine interessante Reportage über Prugnes „Die Straßenkinder von Montmartre“ gibt es bei youtube unter dem Titel „La BD „Poulbots“ de Patrick Prugne au 19-20 de France 3 national

Patrick Prugne: Die Straßenkinder von Montmartre. Splitter, Bielefeld 2016. 80 Seiten, € 17,80

Text via PPM