Das Runde muss ins Eckige – auch in Comics

Sport und Comics – das geht irgendwie nicht zusammen. Sollte man meinen. Entweder man ist aktiv auf dem Platz oder auch andernorts und bewegt sich oder aber man macht es sich auf der Couch gemütlich und vertieft sich in einen Comic. Gut, dass es auch Sport-Comics gibt. Der berühmteste Vertreter dieser Richtung ist sicherlich Rennfahrer Michel Vaillant, aber es gibt auch einen echten Fußballstar: Kai Falke.

 

kai_falke_1Vom Amateur zum Profi

 

Sein Debüt feierte der Kicker 1974 – pünktlich zur WM im eigenen Land – auf den Seiten des Comic-Magazins „Zack“. Raymond Reding hatte die Serie für den Koralle Verlag entwickelt, es war aber nicht sein erster Ausflug in die Welt des Fußballs. Schon 1963 entwickelte er mit „Vincent Larcher“ eine Serie, in der es um einen französischen Spieler beim AC Mailand geht. Dies war im Grunde die Blaupause für Kai Falke, dessen Debüt gar nicht auf dem Spielfeld, sondern in den Zuschauerrängen stattfand. Reding ließ Falke ein Spiel von Fortuna Düsseldorf gegen Bayern München in Düsseldorf anschauen.

Falke ist noch ein Amateur, schafft aber den Sprung in die Profiliga. Während seine Abenteuer bei „Zack“ nur kurzlebig waren – erst fünf Jahre später kehrte der Kicker auf die Seiten des Magazins zurück –, gab es insgesamt 16 Alben, die Reding gestaltete. Kai Falke hieß der Kicker nur hierzulande, in anderen Ländern Max Falk oder Eric Castel.

Eine Gesamtedition erschien bei Salleck Publications, mit der man auch die rasante Geschichte des Kickers nachvollziehen kann. Immerhin hat ihn dessen Weg auf der Welt herumgebracht – ein Umstand, den Reding auch immer zu nutzen wusste, da er sehr akribisch dabei war, Gebäude und Sehenswürdigkeiten in seine Geschichten zu integrieren.

Mit der Nullnummer, die die erste Geschichte von „Kai Falke“ enthält, liegt die Reihe nun komplett vor. Ergänzt wird dieser Band neben einem redaktionellen Teil auch durch zwei Kurzgeschichten, die bislang nur in „Die Sprechblase“ im Jahr 2012 und in der „Zack-Parade“ im Jahr 1980 erschienen sind.

 

CaptainTsubasa1Fußball in Japan

 

„Kai Falke“ ist die wohl umfassendste und realistischste Auseinandersetzung mit dem Fußball im Comic, längst aber nicht die einzige. Ein weiterer wichtiger Vertreter des Sport-Comics stammt aus Japan. „Captain Tsubasa“ ist ein 37-bändiger Manga, der von 1981 bis 1988 erschien und erzählt, wie Tsubasa daran arbeitet, nicht nur der beste Fußballer der Welt zu werden, sondern mit der japanischen Nationalmannschaft auch die WM zu gewinnen. Die Geschichte wird dabei fast in Echtzeit erzählt, erlebt man doch mit, wie der elfjährige Tsubasa in der Schulmannschaft spielt und sich dann Dank seines Talents immer weiter nach oben arbeitet.

Die deutsche Ausgabe des Manga erschien zwischen 2002 und 2006 bei Carlsen, ist aber inzwischen vergriffen. Ansehen kann man sich aber die auf dem Manga basierende Anime-Reihe.

 

Es darf gelacht werden

 

Allerdings wird der Fußball selten in ernsthafter Form umgesetzt, zumeist sind es Cartoons oder Funnys, die sich des runden Leders annahmen. Seien es die alte Bastei-Heftserie „Sport-Billy“ oder zahlreiche Disney-Comics mit Donald(o) und seinen Neffen oder auch für sich stehende Geschichten wie „Rummelsdorf vor – noch ein Tor“ aus der Reihe „Spirou“ – in erster Linie sollte es schon zum Lachen sein.

 

FussballgoetterFußballgötter

 

Das gilt sogar noch mehr für die Welt der Cartoons, wo Fußball ein enorm beliebtes Thema ist. Mit am erfolgreichsten ist hier sicherlich Guido Schröter, der seit 2004 für die Wochenend-Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ den Strip „Fußballgötter“ produziert. Schröter hatte sich zuvor schon an Fußball-Cartoons versucht und für verschiedene Fußball- und Stadien-Magazine Strips entwickelt, vor allem die „Fußballgötter“ sind jedoch überragend, da er sich hier nicht nur auf die Ereignisse rund um einen Verein beschränkt, sondern auf amüsante Art und Weise das gesamte Fußballgeschehen kommentiert und durch den Kakao zieht. Dabei greift er aktuelle Entwicklungen auf und findet mitunter Pointen, die den gesamten Betrieb satirisch aufs Korn nehmen.

Seine Comics sind auch als Alben erschienen. Zudem kamen die „Fußballgötter“ auch zu Zeichentrickehren. Im Jahr 2007 wurde eine Reihe von Kurzfilmen im Programm der ARD gezeigt.

Erfolg haben auch andere Cartoonisten mit ihrem Umgang mit dem Fußball. So publizierte Ralph Ruthe bei Panini „König Fußball“ und Christoph Härringer präsentierte seine eigene „Spottschau“. Darüber lachen dann auch knallharte Fußballfans, die auf dem Platz keinen Spaß verstehen.