Die TORPEDO–Gesamtausgabe

torpedo-gesamtausgabe_rgbDie 1980 für das spanische „Creepy“-Magazin geschaffene Serie um den Killer Torpedo (Slang-Ausdruck für Auftragskiller), der im Amerika des Jahres 1936 sein Unwesen treibt, ist ein Klassiker des Crime-Genres.

„Torpedo“ gewann 1986 auf dem Comicfestival in Angoulême den Preis für das beste ausländische Album. Die Serie lebt von der Darstellung der amerikanischen Gangsterwelt, die mit lockerem Strich von Jordi Bernet nach düsteren Szenarien von Enrique Sanchez Abuli in Szene gesetzt wurde.

Das Torpedo-Universum ist bevölkert mit Archetypen des amerikanischen Mafia-Films: der knallharte Killer, der fette Mafia-Boss, der tumbe Boxer und die scharfe, meist nackte Sexbombe, die Bernet sehr gut in Szene zu setzen weiß …

Torpedo ist ein ausgekochter Auftragskiller mit eigenen Moralvorstellungen und ein echtes Schwein. Torpedo heißt eigentlich Luca Torelli und ist alles andere als eine sympathische Hauptfigur. Dennoch geht von dem auch optisch nicht gerade wie ein Beau aussehenden Torpedo eine gewisse Faszination aus. Das scheinen auch die diversen, durchweg sehr schönen Damen des Torpedo-Universums so zu sehen, denn bisher waren alle äußerst zufrieden, bei denen er bisher seinen Mann gestanden hat.

Bei der Wahl seiner Sexpartnerinnen geht es für Torpedo darum, ob sie ihm gefallen, nicht ob diese auch wollen. Und sollten die Damen ihm schließlich als Zeuge im Wege sein, werden sie liquidiert, natürlich anschließend …! Und so lebt der Reiz der Serie ganz sicher auch von diesen äußerst pikanten amourösen Abenteuern des Helden.

Wenn notwendig, nietet er alles um, was ihm per Auftrag als Job übertragen wurde, manchmal auch einige Figuren mehr. Sollte es für ihn von Nutzen sein, müssen auch alte Kumpels mal dran glauben. Torpedo macht bei der Wahl seiner Opfer keinen Unterschied zwischen Männer oder Frauen, Gebrechlichen oder Behinderten.

In „Torpedo“ geht es immer reichlich hart zu Sache: es wird u. a. gemordet, vergewaltigt und gefoltert was das Zeug hält. Darum ist diese Reihe wirklich nur hart gesottenen Comic-Typen zu empfehlen …

Killer, Rächer, Gewalttäter, Sex-Machine: Torpedo vereinigt alles in seiner Person. Aber seine Skrupellosigkeit macht ihn auch selbst zur Zielscheibe von Anschlägen, und so ist er nie davor sicher, selbst im Leichenschauhaus zu landen.

Torpedo ist jedoch keine perfekte Killermaschine und muss auch selbst so einiges einstecken. Außerdem verläuft nicht jeder Auftrag wie geplant oder erfolgreich ab. Vielleicht erzeugt auch das, trotz all der Grausamkeit in den Handlungen, eine gewisse Sympathie für den Helden.

Die Torpedo-Geschichten bestechen nicht nur durch Bernets ausgefeilte s/w-Technik und die damit verbundenen Licht- und Schatteneffekte, sondern speziell durch Abulís Erzählweise. Bemerkenswert ist es, wie es Abulí gelingt, gerade in den vielen Kurzgeschichten von rund 10 Seiten spannende und pointierte Storys abzuliefern.

Torpedo“ ist längst Kult und ist daher im Programm von Cross Cult bestens platziert!

Hier gibt’s eine Leseprobe. Text via PPM.

Enrique Sánchez Abulí, Jordi Bernet: Torpdeo. Cross Cult, Ludwigsburg 2016. 720 Seiten, € 60,–