NO BORDERS – Science-Fiction ohne Grenzen

No Borders_CoverGeschichten über Zeitreisen gibt es zuhauf. In Büchern, Filmen oder Comics wird diese Utopie immer wieder mal mit Theorien gefüllt. In „No Borders“ (Epsilon) geht es zudem um die totale Überwachung im Staat; um einen großen terroristischen Anschlag im Jahr 2023 und um eine Gruppe von PC-Freaks, die sich gegen Datensammlung mit seinen möglichen fatalen Folgen für den Einzelnen auflehnen!

Der Autor Michael Barck bezieht seine Version der gefährdeten Freiheit sicher aus der Sicht seiner Erfahrungen und Bedenken als Journalist. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Thekla, Künstlername TeMel, die diese schönen Seiten gestaltete, hat er erstmals einen kritischen Comic zum Zeitgeschehen veröffentlicht. Das Buchformat, Hardcover, hat kaum mehr als die Ausmaße eines üblichen Taschenbuches, ist also sehr handlich.

Die Einführung mancher  Personen in die Story machen den Comic zunächst ein wenig undurchsichtig, da sie zeitweise in verschiedenen Zeitebenen agieren. In einer nahen Zukunft ist das Internet nur mit physischer Verknüpfung mit dem PC zu erreichen. Doch genau diese unglaubliche futuristische Innovation macht es möglich, seinen realen Geist ins Internet zu schleusen und den physischen Körper genau in die Wirklichkeit jenes Jahres zu „beamen“, das man ansteuert.

Doch damit nicht genug an Fantastischem: Eine Protagonistin trifft bei der Rückkehr auf sich selbst, auf ihr „altes“ Ich, quasi als identischer Zwilling. Und da wird der Comic sogar amüsant und humorvoll! Inhaltlich zeigt der Autor erschreckend aktuelle Entwicklungen in mancherlei Hinsicht auf; und verwebt einen Spannungsbogen diesbezüglich befürchteter Entwicklungen in der Politik. Edward Snowden wird zitiert, George Orwell oder Benjamin Franklin: „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren!“

So ist die durchaus interessante Geschichte mit einem (fast zu) offensichtlichen Plädoyer untermalt, sich gegen das Ansinnen eines Systems und der Geheimdienste zu widersetzen, das den Einzelnen zu einem gläsernen Bürger zu „datieren“ trachtet. Für mich ist der Text insofern ein wenig zu zentral auf dieses Thema ausgelegt, wenngleich die Personen schon auch einen eigenen Beweggrund beisteuern. Ich denke, der Autor hat unter anderem diese Ebenen mit den Zeitreisenden gewählt, um zu verdeutlichen, dass man die Gegenwart nicht passiv verstreichen lassen solle, bis „es“ geschehen und unumkehrbar ist.

Die Geschichte bietet einige überraschende Wendungen. Die Zeichnungen sind flexibel und routiniert zu Papier gebracht und auch ein bisschen an den Stil eines Manga angelehnt. Sie haben einen lockeren, süßlichen Charme von knallbunten Bonbons! Junge Damen und Herren aus unterschiedlichen Jahrgängen hier zu betrachten mag ein Schmunzeln auslösen, scheint doch die Mode mit dem Flair des etablierten Punks überall in Jahrzehnten (noch) zeitgemäß zu sein …

Text via PPM.

Michael Barck, TeMel. No Borders. Epsilon, Nordhastedt 2016. 160 Seiten, 15,–