WIR SEHEN UNS DORT OBEN – Schicksalhafte Freundschaft

Wirsehenuns_cvrDer 1. Weltkrieg im Jahr 1918 verbindet zwei Männer schicksalhaft miteinander. Édouard rettet Albert aus einem einstürzenden Schützengraben und wird dabei schwer verletzt. Er verliert seinen gesamten Unterkiefer. Edouard will deshalb wohl aus Scham nicht mehr nach Hause. Albert verschafft ihm eine neue Identität und lässt den „gefallenen Soldaten“ Édouard Pericourt begraben. Mit neuem Namen Eugene bezieht er mit Albert eine Wohnung. Unvermittelt taucht die Schwester von Édouard auf und bittet darum, den Leichnam in Paris, dem Sitz seines Elternhauses, zu bestatten. Währenddessen hecken die beiden Schicksalsfreunde einen perfiden Plan aus, um an Geld zu kommen, indem sie Kriegsdenkmäler verkaufen wollen, ohne die Ware wirklich zu liefern. Doch auch andere „Geschäftsleute“ machen zweifelhafte Deals, unter anderem mit der Plünderung von Soldatengräbern.

Am Beispiel von dem kriegsverstümmelten Èdouard wird hier zum Einen die ganze Unmenschlichkeit des Waffengebrauchs skizziert. Danach die Bemühungen der bürgerlichen Bevölkerung, wirtschaftlich zu überleben. Die Familie von Édouard ist gut situiert, Albert freundet sich mit dem Dienstmädchen an und Édouard heitert sich mit einer nachbarschaftlichen Bekanntschaft dadurch auf, dass er zur allgemeinen Belustigung allerlei Masken anfertigt und selbstironisch trägt. Das Geschehen steuert auf einen dramatischen Ausgang hin.

In der außergewöhnlichen Erzählung „Wir sehen uns da oben“ sind spannende Elemente ebenso vertreten wie spaßige Sequenzen und tragische Entwicklungen. Die Geschichte ist gemächlich erzählt, reißerische Aspekte oder wirbelnde Action durchbrechen selten bis kaum den Fortlauf. Viele Panels sprechen bzw. erklären sich ohne Worte; die Story ist somit nicht überfrachtet. Der Autor des Romans, Philippe Torreton, vermerkt im Vorwort, dass seine Geschichte, im Original über 560 Seiten stark, hier kongenial umgesetzt sei, gut ausgewogen in Text und Bild. Aber gerade deshalb kommt sie vielleicht etwas gedrängt und minimal erklärend daher. Manche Szenenwechsel sind abrupt und nicht immer strukturierend erzählt. Der Leser wird zur Interpretation angeregt und zum Verständnis ist teilweise Kombinationsgabe gefordert.

Die Zeichnungen sind eher grob gehalten, viele Schnörkel in Details gibt es nicht zu sehen. Sie beschränken sich auf das wesentliche Momentum. Doch wenn nötig entfaltet sich trotzdem ein fein gezeichneter Hintergrund oder ein gut wiedergegebener Blick auf eine Totale. Es sind vorwiegend gedeckte Farben, die je nach Szenerie passende Nuancen herausstellen. Mit eher melancholisch-düsteren Wirkungen.

Text via PPM.

Pierre Lemaitre, Christian De Metter: Wir sehen uns dort oben. Splitter, Bielefeld 2016. 164 Seiten, € 29,80