OUTCAST – Exorzisten-Horror vom „The Walking Dead“-Macher

Natürlich, im Web-2.0-Zeitalter kommen auf jeden Hype mindestens genauso so viel Leute, die den Hype für overhyped halten und Floskeln wie „Im Gegensatz zu allen anderen finde ICH (nun folgt das komplette Gegenteil der momentan gültigen Konsens-Meinung)“ ins virtuelle Zauberreich hämmern, man will sich ja abheben, vom Schwarm-Pöbel.

Trotzdem… jetzt mal Butter bei die Fische: Ein bisschen komisch ist das Gedöns um die Zombie-Horror-TV-Serie „The Walking Dead“ ja schon, oder? Auch wenn man Robert Kirkmans Comic-Vorlage nicht kennt: Das stundenlange Ausdiskutieren irgendwelcher „Lindenstraße“-Problemchen kann doch niemanden ernsthaft Spaß machen? Sicher, es gibt immer wieder Folgen, die ahnen lassen, wie großartig das alles sein könnte, vor allem dann, wenn zufälligerweise mal Zombies vorbeitorkeln, aber insgesamt fühlt sich das Endlos-Franchise (mittlerweile gibt es auch ein Spin-off, das tatsächlich noch drömmeliger ist) doch stark nach Stop-and-go im morgendlichen Berufsverkehr an.

Ein „Aha“-Erlebnis gibt’s dagegen wenn man einen Blick auf die Comics wirft. Die bestechen nämlich durch eine weitaus pointiertere Erzählweise, wesentlich kantigere Charaktere und auch in der Gore-Abteilung geht’s gelegentlich um einiges zügelloser zur Sache als bei den TV-Kollegen. Ebenso ein wichtiger Punkt: Die gedruckte Vorlage ist interessanter anzugucken, die – wie bei Fernsehserien üblich – flache Ästhetik hat gegen die raffiniert gezeichneten Panels nur wenig Chancen.

Outcast_plakatNun ja, jedenfalls traf man mit der Untoten-Soap aus welchen Gründen auch immer einen Nerv, da sich aber jeder getroffene Nerv irgendwann stabilisiert, muss was Neues her und deswegen gibt’s nun „Outcast“.

Dank „Walking Dead“ war die Nachfolgeserie für alle Geldgeber von Anfang an ein sicherer Deal: Noch bevor der erste Comic-Band 2014 erschien, ging bereits die TV-Serie in Produktion, noch vor der Premiere von Staffel 1, wurde bereits Staffel 2 in Auftrag gegeben.

Erzählt wird die Geschichte von Kyle Barnes, der seit frühster Kindheit von Dämonen verfolgt wird, die bereits diverse Personen in seinem unmittelbaren Umfeld ins Unglück getrieben haben. Aus dem verstörten Kind von einst ist mittlerweile ein verstörter junger Mann (schön kaputt und angenehm zurückhaltend: Patrick Fugit) von heute geworden, der endlich herausfinden möchte, warum ihm das alles passiert ist und der mittlerweile vermutlich auch „Der Exorzist“ gesehen hat und sich deswegen die Hilfe vom nicht mehr ganz so taufrischen, biersaufenden und pokerspielenden Pfarrer Anderson (schön fettig und wie immer leicht chefig: Philip Glenister) sichert…

Nach dem Zombie- ist nun der Exorzismus-Horror an der Reihe und Kirkman plündert sich munter durch die Topoi des Genres, da dürfen klassische Motive wie das besessene, mit unheimlicher Stimme sprechende Kind natürlich nicht fehlen (das gleich am Anfang für einen leckeren Ekeleffekt sorgt). Der Rest kommt einem ebenso schnell vertraut vor: Viel persönliches Drama (inklusive Kindheitserinnerungen mit aus „The Ring“ geklauter Grusel-Mami), dann und wann gibt’s eine Schocker-Szene. Das ist – zumindestens jetzt noch, die Soap-Sau ging bei „The Walking Dead“ so richtig auch erst bei Season 2 durch die Decke – recht unterhaltsam, dürfte die Horrorspezialisten unter den Zuschauern aber nicht wirklich vom Hocker hauen, „Horror“ ist hier wie bei „The Walking Dead“ im Endeffekt allerdings eh bloß ein Aufhänger.

outcast-1-im-reich-der-finsternis-01734b8dInteressanterweise scheint die Serie tatsächlich erneut hinter der Vorlage zurückzustehen. Die Pilotfolge wurde von Nerd-Liebling Adam Wingard („You’re Next“) inszeniert und der weiß den farblich differenziert gehaltenen, kraftvollen Bildern der Vorlage nur den üblich mausgrauen farbentsättigten Look entgegenzusetzen, der eben immer im Fernsehen zum Einsatz kommt, wenn irgendwas „düster“ sein soll. Ebenso: Die Konfrontationen mit den dämonischen Mächten verlieren dank ungeschicktem Handkamera-Gewackel und CGI-Effekten deutlich an Schrecken – kein Vergleich mit den atmosphärischen Bildern des Papiers.

Sicher, schon so manche Serie hatte einen eher durchwachsenen Start und es ist möglich, dass sich „Outcast“ irgendwann als Übermeisterwerk entpuppt und die Aussage Kirkmans, dass er hier zum ersten Mal in seiner Karriere beim Beginn des Projekts bereits ein Ende im Kopf hatte, erfreut angesichts der Auswalzerei von „The Walking Dead“ durchaus sehr, aber vielleicht ist es nicht die schlechteste Idee erstmal zu den Comics zu greifen, denn auch wenn der Inhalt relativ identisch ist, wird bei den Kirkman-Titeln doch sehr deutlich, wo die absolute Stärke der neunten Kunst liegt.

Abb. aus der TV-Serie © FOX INTERNATIONAL STUDIOS