BATMAN-Dreier im August

Warner lässt es diesen Monat ganz besonders krachen und schickt unseren heiß geliebten Fledermausmann gleich dreimal in die Läden. Als erstes wäre da natürlich die Heimkinoauswertung von „Batman v Superman: Dawn Of Justice“, der die Firmenbosse beim Kassensturz nicht so wirklich zum Lachen brachte, weswegen es jetzt gefühlt 47 Versionen (4K Ultra HD 2-Disc Set, Blu-ray 3D 3-Disc-Set, Blu-ray 2-Disc Set, DVD und Digital) wieder richten sollen. Der Film selbst wurde von Kritikern wie Fans bereits ausgiebig seziert und stieß auf nicht gerade viel Wohlwollen, deswegen nur kurz: Klar, er ist nicht wirklich gut (vor allem Jesse Eisenberg fühlt sich mit seiner Lex-Luthor-Darstellung wie das Äquivalent zur chinesischen Wasserfolter an), angesichts der immer gleichförmiger werdenden Marvel-Verfilmungen weiß man dann aber doch wieder, was man an den mit Liebe gehassten Zack Snyder hat, der einen mit seinem Hang zu exzentrisch-opulenten Bildern jederzeit spüren lässt, das da ein Mensch und kein Automat auf dem Regiestuhl sitzt.

Batman-killing-cvrDoch wer die snydersche Superheldenoper tatsächlich so gar nicht mag, wird vielleicht anderweitig glücklich, denn weiterhin sind zwei neue Trickfilme aus der Reihe „DC Universe Original Movie“ erhältlich, von denen einer eine kleine Sensation ist, die schon angekündigt wurde, als die Menschen noch in Höhlen hausten, aber nun – kaum jemand hat noch dran geglaubt – tatsächlich umgesetzt wurde.

Die Rede ist natürlich von der Verfilmung von Alan Moores Kultcomic „The Killing Joke“, in dem der Joker Batman beweisen will, dass es nur einen einzigen schlechten Tag braucht, um wahnsinnig zu werden! Das Interesse war so groß, dass die Umsetzung im Herkunfts- und in einigen anderen Ländern als erster Filme aus Warners DTV-Reihe sogar eine Kinoauswertung spendiert bekam.

Ist der Trubel berechtigt? Ja. Und gleichzeitig ganz klar nein. Vermutlich wird man beim Abspann ähnlich irre gucken wie der Joker auf dem Cover der Blu-ray, denn es wurde eine ganz schön schlechte Entscheidung getroffen, die den Film nachhaltig beschädigt.

Da der Comic mit seinen 48 Seiten natürlich viel zu kurz ist um auch nur annähernd abendfüllend zu sein, klemmten die Macher einen ungefähr 20 Minuten langen Prolog vor dem eigentlichen Geschehen, in dem Barbara Gordon, besser bekannt als Batgirl, stärker zum Zug kommt. An sich nicht die allerschlechteste Idee, denn Moore widmet ihr in der Vorlage nur einen extrem kurzen, aber tragischen Moment, wer um die Bedeutung der Figur nicht weiß, steht im Regen, beziehungsweise dürfte bei demjenigen die emotionale Fallhöhe nur sehr gering ausfallen.

Jetzt kommt das dicke und fette Aber: Leider wurde die Figur und auch das Verhältnis zu Batman umgedeutet, aus der Schüler-/Mentor-Beziehung wird hier eine – enttäuschte – Liebelei (inklusive völlig unvermittelt reinrauschender Sexszene auf einem Dach), die angesichts dessen, dass BatGIRL (!) deutlich jünger ist als BatMAN (!!) ein gutes Stück weit wie eine schmierige Altherrenfantasie wirkt, zumal Gordon komplett auf ein sich nach ihrem Fledermausmann verzerrendes Girlie reduziert wird.

So weit, so gar nicht gut, hat man das erste Viertel durchlitten, fängt dann aber tatsächlich „The Killing Joke“ an und die Laune steigt gleich wieder, denn der Film hangelt sich nun, bis auf einen weiteren, allerdings – Hallelujah! – nur sehr kurzen Fehlgriff, indem Batman sich in einer kruden Szene auf dem Straßenstrich (!?) nach dem Verbleib des Jokers erkundigt, extrem eng an der unkaputtbaren Vorlage entlang. Zeichnerisch wird dabei leicht hinter der gedruckten Version zurückgeblieben, etwas mehr Mut zur originalen Düsternis wäre schön gewesen, für eine extragroße Portion Stimmung sorgt dafür aber die Tonspur: Mit Kevin Conroy (Batman) und Mark Hamill (Joker) wurde zwei alte Quasi-Stammsprecher engagiert, die hier erneut allergeilstes Vollgas geben: Vor allem Hamill als Joker….man glaubt gar nicht, wie dreckig-gestört Luke Skywalker lachen kann. Toll!

Endabrechnung: „The Killing Joke“ ist – hihi – exakt wegen „The Killing Joke“ durchaus sehenswert, deswegen: Zuschauer mit selektiver Wahrnehmung sind eindeutig im Vorteil!

batman-bad-cvrAls kleine Überraschung entpuppt sich „Batman: Bad Blood“: Batman wird während eines Kampfes gegen ein paar etwas arg alberne Bösewicht dank einer Explosion ins Nirgendwo geschleudert. Der muskelbepackte Flattermann ist plötzlich nicht mehr auffindbar, Batwoman, die ebenfalls an der Auseinandersetzung beteiligt war, steht vor einem Rätsel.

Damit sich’s Gothams Bösewichte jetzt nicht zu gemütlich machen streift „Robin“ Dick Grayson (der eigentlich momentan als „Nightwing“ unterwegs ist) das Kostüm mit den spitzen Ohren über, Bruce Waynes Sohn Damien übernimmt dafür den Robin-Part. Support kriegen die beiden von Batwoman und Batwing. Die Gruppe findet bald raus, dass hinter Batmans Verschwinden Bösewicht Heretic steckt, der für Talia al Ghul arbeitet und unter anderem Electrocutioner, Firefly, Killer Moth und den Mad Hatter im Schlepptau hat.

Ächz. Wer im letzten Absatz nur Bahnhof verstanden hat, braucht jetzt nicht den Blick beschämt Richtung Fußboden senken, es sind in der Tat ganz schön viele Namen, die „Bad Blood“ in gerade mal 72 Minuten Laufzeit in den Raum wirft.

Allerdings trumpft der Film mit einem smarten Drehbuch auf, dass sein Figurenarsenal fest im Griff hat: Der Fokus liegt ganz klar und deutlich auf Grayson, Damien, Batwoman und Batwing, die restlichen Figuren sind Staffage und dürfen lediglich nach vorne treten wenn gerade gebraucht. Es ist auch die Interaktion zwischen diesen vier Charakteren, die den eigentlich extrem schlichten gut-versus-böse-Plot mit Leben auffüllt, denn zwischen Kampfhandlungen und knackigen One-Linern gibt es immer wieder präzise getaktete Dialoge, die das durchaus komplexe Verhältnis der Figuren untereinander, aber auch zu Batman, der erst im letzten Drittel des Films wieder aktiv mitmischt, interessant ausleuchten. Der „Familien“-Gedanke steht dabei im Vordergrund, trotz aller Unterschiede und Probleme sind die Charaktere so richtig erst im Team stark, von dieser Gleichung wird auch der dunkle Ritter trotz allerlei Psychosen nicht ausgenommen. Das ist sicherlich im Gegensatz zu so manch anderen Batman-Stoff recht versöhnlich ausgerichtet, wirkt aber nie weichgespült oder gar falsch da „Bad Blood“ seine Figuren ernst nimmt.

Ein durch und durch vergnüglicher Film, der ein bisschen, in erster Linie dank den grotesken Baddies, wie ein 80er-Jahre-Cartoon mit einem dezenten Spritzer Anspruch wirkt und auch auf formaler Ebene gut gelungen ist: Es gibt schön gezeichnete Bilder und gute Sprecher! Letztere sind allerdings nicht ganz so gut wie bei „The Killing Joke“, aber hey, Mark Hamill hat ja auch die Macht auf seiner Seite…