FIGHT CLUB 2 (Band 2): Das furiose Finale

fight_club_ii_02_final_900x1200Es ist soweit. Das große Finale zwischen Sebastian und seiner gespaltenen Persönlichkeit, Tyler Durden, liegt nun in Form des Abschlussbandes von „Fight Club 2“ auch auf Deutsch bei Splitter vor. Das „Projekt Chaos“, die paramilitärische Untergrundbewegung, die sich einst aus den geheimen Prügeltreffs der beiden formierte, steht kurz vor ihrem endgültigen Ziel: die Zerstörung und Neuformierung der Zivilisation, wie wir sie kennen. Kann es Sebastian gemeinsam mit seinem Psychiater gelingen, Tylers größenwahnsinnigem Plan Einhalt zu gebieten? Oder erstreckt sich dessen Macht längst viel weiter, als alle Beteiligten ahnen? Und wie werden Chuck Palahniuks Leser auf die Auflösung des popkulturellen Phänomens reagieren?

Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten, der Fortsetzung des Kultromans, beziehungsweise seiner gefeierten Verfilmung mit Edward Norton, Helena Bonham-Carter und Brad Pitt, zu begegnen. Wer sich auf die gleiche, derbe Art und Weise unterhalten lassen möchte, wie der Film es einst zu leisten vermochte, der könnte möglicherweise enttäuscht sein. Denn der Autor hat sich bei der Fortsetzung ganz bewusst für das Medium Comic entschieden und beweist viel Geschick darin, dessen Erzählformen auch bis ans Limit auszureizen. Das Resultat ist ein extrem wilder, psychedelischer, selbstironischer Trip. Eine Collage aus alternativen Handlungsverläufen und Auflösungen, giftigen Metaphern und anarchischen Spielereien.

„Fight Club 2“ zeigt all jenen selbsternannten Kulturkritikern und intellektuellen Fans den Mittelfinger, die sich einerseits am rebellischen Bild von Durden, am „singenden, tanzenden Abschaum dieser Welt“ erfreuen, sich andererseits aber über fehlende, klassische Erzählstrukturen und vorhersehbare, emotional befriedigende Handlungsverläufe echauffieren. Die gewagte und intelligente Neuausrichtung des ikonischen Charakters Durden ist dabei ein ebenso lobenswerter und aufregender Kunstgriff wie das grotesk überzeichnete, zynische Finale, das alle denkbaren Szenarien verschlingt, zerkaut, verdaut und dem hoffentlich hoffnungslos überforderten Leser vor die Füße kotzt.

Eine etablierte, kommerziell so gut verwertbare Marke wie „Fight Club“ mit so viel Punkrock und absolut sympathischer Respektlosigkeit vor den Erwartungen des Publikums zu präsentieren, das zeigt ganz klar, dass hier die Liebe zum Herzen der Geschichte und zum Medium Comic im Vordergrund stand. Und nicht der schnelle Dollar.

Eine Leseprobe gibt es hier.

Hier findet sich außerdem ein Audio-Interview mit Chuck Palahniuk.

Chuck Palahniuk, Cameron Stewart: Fight Club 2. Band 2. Splitter, Bielefeld 2016. 144 Seiten, 22,80 EuroFight-Club-Int.