MOTEL SHANGRI-LA – Ein fantastisches Debut

motel-cvrWer seine Heimat so wirklich kennen lernen will, muss sich am besten weit von ihr entfernen. Aus der Distanz heraus eröffnen sich nämlich meist völlig neue Perspektiven auf die Herkunft, beziehungsweise sieht man vor lauter Bäumen endlich mal den Wald. Aus dieser Erfahrung heraus entstand „Motel Shangri-La“, die erste Graphic Novel von James Turek. Turek ist US-Amerikaner und lebt seit ein paar Jahren in Leipzig, wo er mit dem Comics- und Grafik-Festival „The Millionaires Club“ und regelmäßigen Workshops zum Thema schnell zu einem Eckpfeiler der Leipziger Comicszene wurde.

In „Motel Shangri-La“ nutzt der Zeichner und Autor die typisch amerikanischen Genres Film Noir und Road Movie (gewürzt mit einem Schuss Western) um eine episch-witzige, aber auch etwas rätselhafte Geschichte über eine Gruppe verschiedenster Charaktere (unter anderem Touristen, ein entflohener Häftling, ein – etwas zu – entspannter Sheriff) zu erzählen, die alle in Hotel „Shangri-La“ mitten im öden Nirgendwo des mittleren Westens der USA aufeinandertreffen. Die Geschichte sortiert sich dabei im Funny-Animal-Genre ein, das heißt, die Protagonisten sind allesamt Tiere, liegt mit ihrem abstrakten, minimalen Stil und dem trockenen Humor aber eher bei Lewis Trondheim als bei Walt Disney.

Turek nimmt dabei munter unter anderem religiösen Fanatismus oder die gerne in Filmen oder Anzeigen vermittelte Wildwestromantik aufs Korn, was ausgesprochen Spaß macht, das eigentlich Tolle ist allerdings: Seine schlichten, aber überlegt gezeichneten Bilder und die knappen, oft rasiermesserscharfen Dialoge schaffen es schnell eine schräg-schrullige, aber niemals überkandidelte Welt aus den Buchseiten wabern zu lassen, in der man gerne verweilt und die man auch gerne jederzeit wieder besucht. Ein absolut fantastisches Debüt, das in diesem Jahr völlig zu Recht unter den Finalisten des Comicbuchpreises der Berthold Leibinger Stiftung war und noch viel, viel mehr Aufmerksamkeit verdient hat.

 James Turek: Motel Shangri-La. Avant-Verlag, Berlin 2016. 124 Seiten, € 19,95

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