MUHAMMAD ALI – Biografie einer Legende

muhammad-ali-cvrMal so ganz ehrlich: Irgendwie ist Boxen ja schon ein etwas zwiespältiger Sport: Zuschauen tun extrem viele, aber selbst partizipieren, anders als zum Beispiel beim Fußball, doch deutlich weniger, da irgendwie nun mal doch offene Gewaltausübung mit einem nicht wirklich überblickbaren Verletzungsrisiko und deswegen – was in der medialen Berichterstattung gerne etwas unter den Tisch gekehrt wird – auch vielen Todesfällen.

Genauso haftet Boxern auch nach wie vor immer ein bisschen ein Schläger-Image an, die Sportler gelten deswegen allgemein hin nicht gerade als die hellsten Sterne unter der Sonne. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel und so drosch sich schon lange vor den Klitschko-Brüdern Muhammad Ali völlig zu Recht zur absoluten Ikone hoch, die durch beeindruckende Fähigkeiten, Charisma und – oft charmant großmäuligen – Witz, Generationen von Fans in seinen Bann zog und ebenso als Vietnam-Protestler, Kriegsdienstverweiger und Unterstützter der afroamerikanischen Emanzipationsbewegung auf sich aufmerksam machte.

Der großartige Mann ist am dritten Juni in diesem Jahr gestorben und mit „Muhammad Ali“ liegt nun die obligatorische Biografie vor, allerdings in Graphic-Novel-Form, fabriziert von Sybille Titeux, die nicht nur als Zeichnerin unterwegs ist, sondern eine Ausbildung im klassischen ägyptischen Tanz (!) hat und von Amazing Ameziane, anders als viele Rezensenten hierzulande glauben, keine Frau, sondern ein Mann. Das Duo ist außerhalb des Heimatlandes Frankreich praktisch unbekannt, was sich aber nach diesem Band hoffentlich ändern wird, denn die chronologisch erzählte, in fantastischen, vom Film noir beeinflussten Bildern gehaltene Lebensgeschichte ist von A bis Z absolut mitreißend und dürfte auch Box-Hasser in der ersten Runde auf die Matte schicken.

Sybille Titeux, Amazing Ameziane: Muhammad Ali. Knesebeck, München 2016. 122 Seiten, € 24,95