Ein Brite im Schwabenländle

Am 31.10.2016 gab sich auf den Dragon Days in Stuttgart der britische Star-Zeichner Charlie Adlard die Ehre, der in den letzten Jahren durch „Savage“, „The X-Files“, „Judge Dredd“ und natürlich vor allem „The Walking Dead“ seine Duftmarke in der Comiclandschaft hinterlassen hat. Als eine Art Support war Bodypainterin Julie Böhm anwesend, die während des Events zwei Versuchskaninchen live in einen Zombie und einen Drachen verwandelte.

Grund genug für einen Besuch im Metropol Kino, der dann aber gleich mal für leichte Irritation sorgte. Anstatt die Zuschauer mit Clips aus der TV-Serie, Zeichnungen des Künstlers oder zumindestens mit einem Kurzportrait auf das nun zu Erwartende einzustimmen, wurde in einem Powerpoint-Vortrag erstmal erläutert, was man in den letzten Tagen auf den Dragon Days so alles verpasst hat…?

Der nun folgende Ablauf im undekorierten Saal war streng gegliedert: Links bodypaintete Böhm, rechts saß Adlard und zeichnete, in der Mitte stand ein süß aufgeregter Moderator, der hin- und herlief, die Künstler befragte und zwischendurch, wenn beide konzentriert am Werkeln war, mit immer größer werdender Verzweiflung versuchte, die Pausen zu füllen. Kleiner Tipp am Rande: Ratespiele, bei denen es nichts zu gewinnen gibt, stoßen selten auf sonderlich große Gegenliebe – hier hätte Cross Cult, der deutsche Verlag der „The Walking Dead“-Comics, der mit einem Verkaufsstand auch vor Ort war, ruhig ein paar Bände springen lassen können.

Gott sei Dank entpuppte sich Adlard als angenehmer, freundlicher und sehr geerdeter Mensch, der breitwillig von seiner Arbeit an „The Walking Dead“ erzählte und darüber hinaus auch weiteres aus seinem Leben (von seinen musikalischen Ambitionen, der Liebe zu Asterix, seinem an Dyslexie leidenden Sohn, dem das Medium Comic sehr geholfen hat…) preisgab. Wer sich allerdings einen spektakulären Einblick ins Hollywood-Business erhoffte, wurde milde enttäuscht, denn der Künstler lebt abseits vom Trubel in einer Kleinstadt und ist ein klassischer regular guy, der einfach jeden Tag seinen Job nachgeht. Einer, mit dem man sofort gerne drei, vier oder auch fünf Bier trinken möchte. Schade auch, dass auf Adlards an diesem Abend gezeichnete Bilder überhaupt nicht eingegangen wurde, hier hätte man – wie es Panini auf der diesjährigen Comic Con so toll gemacht hatte – ruhig noch kurz ein paar Worte verlieren und die Werke vielleicht auch im Publikum versteigern können. So löste sich das künstlerische Wirken des Stargasts quasi in Rauch auf.

Angesichts dessen, dass immerhin 12€ im VVK und 15€ an der Abendkasse berappt werden mussten, hinterließ das Event alles in allem einen mauen, lieblosen (seltsamerweise war vom angekündigten „Vortrag über die Hintergründe der The-Walking-Dead-Reihe“ keine Rede mehr) Eindruck und wirkte ein bisschen wie publikumsfinanzierte Promotion. Schade.

Foto via Alchetron