Auf den Hund gekommen

rover1cde

Die Hauptrolle spielen Hunde in Comics selten, wegzudenken sind sie aus ihnen aber auch nicht. Häufig sind sie die treuen Begleiter des Helden, mal besonders pfiffig, mal bauernschlau, bisweilen auch strunzdumm, aber die Herzen des Lesers erobern sie immer im Sturm.

herge-milou

Struppi

Geht es darum, den berühmtesten Comic-Hund zu benennen, so liefern sich wohl zwei kleine weiße Terrier ein wildes Kopf-an-Kopf-Rennen. Da wäre Struppi auf der einen und Idefix auf der anderen Seite. Aufgrund der multimedialen Präsenz, vor allem aber wegen den erfolgreichen Asterix-Kinofilmen, dürfte Obelix‘ Hund dem schlauen Struppi wohl noch eine lange Nase ziehen – falls nicht Snoopy doch noch an ihnen vorbeizieht. Denn Charles M. Schulz‘ gewiefter Beagle, der bei den „Peanuts“ schnell Charlie Brown den Rang ablief und zur beliebtesten Figur der Rasselbande wurde, darf man natürlich auch nicht vergessen.

pluto-comics

Pluto

Ihnen allen ist gemein, dass sie ausgesprochen clever gibt. Es gibt aber auch das genaue Gegenteil. Pluto, dem Hund von Micky Maus, würde man wohl kaum unterstellen, ein besonders cleveres Tier zu sein, allerdings bildet er längst nicht das Schlusslicht. Um diesen Platz balgen sich auch zwei Racker, die treue Begleiter des Helden sind. Der Unterschied: Einer dieser Helden ist auch ziemlich smart, der andere dümmer als sein Hund!

Die Rede ist von Rantanplan und Rufferto. Rantanplan ist die Promenadenmischung, die Lucky Luke auf seinen Abenteuern begleitet. Dabei hatte er über Jahre hinweg die Lacher auf seiner Seite, wenn er als Wachhund im Gefängnis auf die Daltons aufpassen oder als Spürhund für den „lonesome cowboy“ dienen sollte, aber alles vermasselte. Seit 1985 ist er in comic strips zu sehen, zwei Jahre später folgte die eigene Alben-Reihe, in der bis 2006 insgesamt 25 Bände erschienen, in denen nicht nur neue albumlange Geschichten präsentiert, sondern auch einige Strips nachgedruckt wurden. Ohne seinen Herrn ist Rantanplan aber deutlich weniger witzig.

Cubitus

Cubitus

Das gilt wohl auch für Rufferto, den treuen Hund des dummen Barbaren Groo. Er hat allerdings keine eigenen Abenteuer zu bestreiten, sondern trottet einfach Groo hinterher, immer beeindruckt von dessen Schlauheit, was nur wieder zeigt: Rufferto ist auch nicht gerade das klügste Tier auf Erden.

Anders verhält es sich da schon mit Cubitus, der von Dupa als Held seiner eigenen Reihe konzipiert wurde. Der Held der Einseiter ist ein merkwürdiger Hund: domestiziert, groß, weiß, mit aufrechtem Gang. Er hasst Bäder und schlüpft gerne in Rollen, so wie die eines Meisterdetektivs. Bis 2002 erschienen 39 Bände, nach Dupas Tod folgte eine längere Pause bevor 2005 eine neue, bislang fünfteilige Reihe startete. Aktueller Verleger des weißen Riesenhundes ist der Piredda Verlag.

Cubitus‘ Kollege Bill ist schon eher ein normaler Hund. Der Cocker-Spaniel ist ein Teil des Duos „Boule und Bill“, das hierzulande auch als „Schnieff und Schnuff“ Bekanntheit erlangte. Jean Roba entwickelte die Reihe 1959. Im Mittelpunkt stehen der siebenjährige Boule und sein Hund Bill, die ihre Abenteuer im Umfeld einer normalen Familie und eines normalen Wohnhauses erleben. Abwechslung bieten jedoch die Urlaube.

atlas_und_axis_01_cvrBis 2007 sind 31 Bände erschienen, einige auch nach Robas Tod im Jahr 2006, da er schon zu Lebzeiten einen Nachfolger ausgesucht hatte. Es sind vor allem kurze Geschichten, die hier erzählt werden, die ihren Reiz aber daraus beziehen, dass sie aus dem Leben gegriffen sind. In Deutschland wollte Ehapa die Reihe auch mal unter dem Namen „Pico & Bello“ etablieren, heutzutage erscheint sie bei Salleck.

Neu beim Splitter-Imprint Toonfish gibt es „Die Saga von Atlas und Axis“, die auf zwei Bände angelegt ist. Geboten ist hier ein klassisches Fantasy-Garn mit allerhand rabiater Gewalt, aber die Protagonisten sind Hunde, die auch die typischen Manierismen besitzen.

Auch in den USA mussten Helden nicht auf ihre Hunde verzichten, auch wenn es zu den eher kuriosen Erscheinungen gehört, dass Superman den kryptonischen Superhund Krypto und Batman den Bathund Ace hat. Das war zur Zeit ihrer Entstehung schon albern und ist es heute nicht minder. Ace hat man darum auch nicht mehr gar so häufig gesehen, Krypto taucht jedoch hin und wieder auf. In den USA gab es aber immerhin mit „Krypto the Superdog“ im Jahr 2005 eine eigene Reihe, die in der Kontinuität der Superman-Zeichentrickserie spielt.

ROVERREDCHARLIESOFTCOVER_Softcover_348Dass man Hunde aber nicht nur zu Sidekicks machen muss, haben Evan Dorkin und Jill Thompson mit ihrem bemerkenswerten „Beasts of Burden“ gezeigt. Eine deutsche Veröffentlichung der Geschichten um eine Hunde-Geheimgesellschaft, die die Menschen vor übernatürlichen Bedrohungen schützen, steht leider immer noch aus. Schon erhältlich ist Garth Ennis‘ apokalyptische Erzählung „Rover Red Charlie“, in der die Menschheit mitten im Aussterben inbegriffen ist. Die Leute werden wahnsinnig – ein bisschen ist das wie bei Ennis‘ „Crossed“. Aber was passiert mit den Haustieren, wenn die Menschen nicht mehr da sind?

Der Frage geht der Autor nach und lässt die drei Freunde nach dem gelobten Land suchen, während sie mit bösen Hunden und Katzen aneinandergeraten. Ennis vermenschlicht die Tiere nicht. Sie reden miteinander, aber ihnen fehlen die Worte, die die Menschen benutzen. Der Ozean ist darum auch nur die große Pfütze.

Es ist eine sehr viel simplere Art, wie die tierischen Freunde miteinander kommunizieren. Ein Kunstgriff, der bestens funktioniert, aber hier nicht das erste Mal eingesetzt wird. Schon Grant Morrison hat bei seinen „We3“, in dem kybernetisch veränderte Tiere – ein Hund, eine Katze und ein Hase – gegen ihre Häscher kämpfen müssen, erfolgreich damit gespielt. Beide Geschichten, obwohl sehr unterschiedlich, nähern sich den Tieren auf eine ehrliche Art und Weise an, weil sie sie nicht mit menschlichen Gedanken oder Intelligenz ausstatten, sondern sie sein lassen, was sie sind: Die besten Freunde des Menschen – selbst im Angesicht der Apokalypse.