Epos ohne Fett, aber mit HOPFEN UND MALZ

hopfen1-cvrInnerhalb der schicken, edlen Reihe von Comicplus+-Gesamtausgaben ist nun der erste von drei Teilen des Bierbrauer-Epos „Hopfen und Malz“ von Autorentitan Jean Van Hamme („Largo Winch“) und Zeichner Francis Vallès („Dorian Dombre“) erschienen, das bereits zwischen 1994 und 1999 in acht Einzelheften vom selben Verlag zu haben war. Enthalten sind die Bände „Charles, 1854“ und „Margrit, 1886“, gewürzt wurde das Ganze mit zwei chronologisch einsortierten Auszügen aus „Die Steenfords“, einem damals als letztes erschienen Band mit Kurzgeschichten, die die Hauptstory vertiefen. Zusätzlich gibt es noch Infos zum Thema Bier, zur Entstehung von „Hopfen und Malz“ und den beteiligten Künstlern. Ein ordentliches Paket also.

Doch worum geht’s eigentlich? Erzählt wird die Geschichte einer belgischen Bierbrauerdynastie, die 1854 mit dem Kloster-Novizen Charles Steenford ihren Anfang nimmt und in der Gegenwart endet. Man kann das Ganze am besten als eine Art „Falcon Crest“ mit Bier beschreiben und in der Tat ist der Vergleich nicht allzu weit hergeholt, denn auch bei „Hopfen und Malz“ gibt es das typische, zum Teil allerdings durchaus realistisch, oder zumindestens greifbar geformte, weil subtile Veränderungen durchmachende, Seifenoper-Personal (den fiese Despoten mit einem Herz aus Geld, den Schleimer, den Naivling, den gutmütigen Dicken, die femme fatale… etc.) und ebenso typische Seifenopern-Themen (Liebe, Verrat, halbseidene Geschäfte, dunkle Geheimnisse… etc.).

Was die Saga aber deutlich über Soap-Niveau hievt, ist die ungeheuere erzählerische Ökonomie, mit der Van Hamme durch die schönen, realistischen und detaillierten Panels seines Zeichners pflügt, bei der rasiermesserscharf erzählten Geschichte handelt es sich wohl um eines der fettfreisten Epen überhaupt: Kein Handlungsstrang ist ohne Grund da, kein Dialog zuviel, den Charakteren werden nur genauso viel Eigenschaften zugestanden, wie benötigt wird, „Hopfen und Malz“ ist ein Musterbeispiel an brillantem, extrem geschliffenem Erzählen, wobei man dennoch eventuell einräumen könnte, dass Hammes trockener, sehr zielgerichteter Stil es einem schwer macht mit den Figuren so richtig warm zu werden. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau für das dank des hohen Tempos der Seifen… äh… Bieroper keine Zeit ist. Ein mitreisender, toll gemachter Trip, irgendwo zwischen gehobenerer Unterhaltungsliteratur und Pulp. Prost!

Jean Van Hamme, Francis Vallès: Hopfen und Malz – Gesamtausgabe Band 1. Comicplus, Leipzig 2016. 128 Seiten, € 34,00