LAZARUS 4 – Ein unmöglicher Auftrag

lazarus4miniNach der Konklave, der eskalierten Zusammenkunft von wenigen Familien-Klans, die diktatorisch über die verbleibende Menschheit herrschen, ist  nichts mehr wie zuvor. Das Oberhaupt der Carlyles ist durch die Hand des Hock-Patriarchen vergiftet worden. Nun ist es an Eve, dem „Lazarus“ der Carlyles, gemeinsam mit einem Soldaten-Trupp jene notwendigen Informationen zu beschaffen, die ihren „Vater“ möglicherweise doch noch retten könnten…

Auch mit „Gift“ behalten Greg Rucka und Michael Lark ihre großartige Ästhetik bei, sie führen tiefer in ihre komplexe Dystopie und enthüllen  weitere Aspekte dieser beunruhigenderweise immer wahrscheinlicheren Zukunftsvision. Beides wird „Lazarus“ zwar nicht zum Verhängnis, verändert das Lese-Erlebnis aber ganz entscheidend. Eingeleitet wird der neue Handlungsstrang von einem großartigen Intermezzo, das eine Ordensschwester aus der ersten Person und stilistisch äußerst pfiffig auf eine geheime und höchst unchristliche Mission begleitet. Nach dieser exzellenten Einleitung erwarten den geneigten Scifi-Fan allerdings auch zahlreiche Charaktere, die einzuordnen nicht immer leicht fällt, falls die Lektüre der letzten Bände etwas länger zurückliegt. Der Fokus auf der Einheit um Supersoldatin Eve sorgt für wesentlich mehr Action und Dynamik als bislang von der Reihe gewohnt, die ausschweifend geschilderte, militärische Mission geht dabei allerdings zu Lasten des sonst so präsenten, sozialkritischen Faktors.

Klar, hier geht es um einen neuen Einblick in bislang nicht näher beachteten Gruppe in der Welt von „Lazarus“, die eben auch gänzlich anders agiert und lebt. Dadurch kommt großartig zur Geltung, wie grundverschieden das Leben in einer der wenigen Kasten dieser hässlichen, neuen Welt ist. Wer aber generell wenig mit noch so interessant eingebetteten Frontberichten anfangen kann, wird mit der neuesten Episode auch folgerichtig etwas weniger Freude haben, als mit dem deutlich abwechslungsreicheren Weg hierher.

Entschädigt wird man dafür mit dem vermutlich bislang schockierendstem Cliffhanger in der Serien-Historie, der nur erahnen lässt wieviel kreatives Potential noch in „Lazarus“ steckt.

Greg Rucka, Michael Lark: Lazarus 4: Gift. Splitter, Bielefeld 2016. 176 Seiten, € 22,80