BLACK CANARY – Solo für Blitzschwalbe!

blackcanary1_softcover_923Rock and Roll! So in etwa lautet das Motto von Dinah Lance, die sich auf Drängen einer durchaus überzeugenden Plattenfirma unter dem Decknamen „DD“ der Indie-Punk-Band Black Canary anschließt. Ausgestattet mit enormer Bühnenpräsenz und einer wahrlich durchdringenden Stimme mischt man die Club-Szene auf, wobei der Beiname „The Most Dangerous Band in America“ bald Realität wird: Prügeleien mit rivalisierenden Bands sind ja ohnehin an der Tagesordnung, aber der Überfall von schwarzen Schleim-Wesen, die es offenbar auf das Gitarrenwunderkind Ditto abgesehen haben, toppt dann doch alles. Per Sonarschrei und wehrhafter Kampftechnik schlägt „DD“ die Angreifer zurück, aber Ruhe gibt es auch dann nicht. Denn auch andere Verfolger sind hinter dem Tourbus der Canarys her – aber die haben ebenso wenig Glück. Ganz im Gegenteil enttarnt die Shouterin einen der vermeintlichen Bösewichte als ihren früheren Ehemann Kurt, der nach wechselhaftem Schicksal das Gedächtnis verloren hat. Mittlerweile ist er erneut für die Geheimdienstchefin Amanda Waller tätig, die (unter anderem mit Hilfe der Suicide Squad) bekanntlich die Operationen orchestriert, für die die Regierung offiziell nicht verantwortlich gemacht werden möchte. Kurt informiert die staunende Dinah, dass sowohl die Regierung als auch offenbar außerirdische finstere Mächte unbedingt der kleinen Ditto habhaft werden wollen – und als dann auch noch die durchgeknallte Ex-Sängerin Maeve auf der Bildfläche erscheint und Ditto entführt, wird immer klarer, dass das geheimnisvolle kleine Mädchen eine gewaltige Rolle auch für Dinah spielt…

In seinem krachigen Reboot der Figur, die wir als netzstrumpfbehoste Perückenträgerin Blitzschwalbe aus der Gerechtigkeitsliga kennen und lieben, breitet Autor Brenden Fletcher die Storyline weiter aus, die er in seinen Runs von „Birds Of Prey“ und „Batgirl“ (beide Deutsch bei Panini, u.a. als „Birds Of Prey Megaband“ und „Batgirl – Die neuen Abenteuer“) vorbereit hatte. Dort überwirft sich Dina Lance nämlich nicht nur mit ihrer Ex-Chefin Waller, sondern auch noch gleich mit ihren Kampfgenossinnen Huntress und Batgirl und nimmt endgültig ihren Hut aus der Superhelden-Szene. Zumindest kurzzeitig, denn die Ereignisse holen sie in Form der finsteren Verfolger gnadenlos ein. Darin verpackt Fletcher dann auch gleich eine alternative Origin-Story für die Dame, die ihr langjähriger Lebensgefährte Oliver Queen (alias Green Arrow) ja allzu gerne als Täubchen bezeichnete: Fletcher deutet nämlich an, dass Dinahs Markenzeichen, ihr markerschütternder Sonarschrei, das Ergebnis von Experimenten finsterer Organisationen ist, die sich dafür den geheimnisvollen Kräften von Ditto bedienen, weshalb sie das arme Wesen nun hochnotpeinlich verfolgen.

Ganz im Sinne dieser inhaltlichen Neuausrichtung liefert auch die Gestaltung durch Annie Wu, Pia Guerra und Sandy Jarrell quasi eine Punk-Variante eines traditionellen Superhelden-Comics. Ganz im Geiste der modernistisch-symbolischen Elemente, die auch die Maßstäbe setzende „Hawkeye“-Serie kennzeichnen, finden wir hier stilisierte Zeichnungen, Story-Brüche mit Flashbacks, musikalische Einsprengsel und die fast schon obligatorische zusätzliche Erzählebene, die in Form von Berichten des fiktiven Insider-Musikmagazins „Burnside Tofu“ beigesteuert wird. Da wirkt es fast schon wie ein wohliger Griff in die Tradition, dass Fletcher seiner Blitzschwalbe den Decknamen „DD“ verleiht, der zurückweist auf die Original-Schwalbe Dinah Drake, der man aus naheliegenden Altersgründen 1983 eine Tochter namens Dinah Lance an die Seite stellte.

Spannend: auf der DC-Homepage kann der geneigte Hörer einige Songs bestaunen, die Fletcher gemeinsam mit Michelle Bensimon eingespielt hat.

Der vorliegende Band enthält die US-Hefte „Black Canary“ 1-7, die ab August 2015 erschienen, sowie ein Sneak Preview von 2015. Sicherlich nicht zuletzt für Freunde des DC-TV-Universums einen Blick wert, wo Dinah ja bei ihrem Ex Arrow immer wieder mal vorbeischauen darf.

Brenden Fletcher, Annie Wu, Pia Guerra: Black Canary 1: Schrille Töne. Panini, Stuttgart 2016. 164 Seiten, € 16,99