Flieger-Helden durchbrechen die Schallmauer

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Was lange währt, wird endlich gut. Mit „Dan Cooper“ stand noch eine der letzten großen frankobelgischen Serien aus, endlich in den Genuss einer Gesamtausgabe zu kommen. Dabei gab es schon diesbezügliche Bemühungen, doch nach einem einzelnen Band im Jahr 2013 kam beim Verlag Epsilon nichts mehr als Versprechungen. Die Fans wurden vertröstet, eine komplette Ausgabe rückte in immer weitere Ferne. Und selbst wenn der Verlag sich noch zusammengerauft hätte, hätte die Publikation von zwölf Bänden wohl so lange gedauert, dass nicht jeder Fan den Schlusspunkt erlebt hätte

dan_cooper_05_lp_seite_01_1Nun aber schließt sich Flieger-As Dan Cooper endlich seinen Kollegen Buck Danny und Mick Tanguy an. Der Splitter Verlag hat die Rechte an der Serie übernommen und jüngst mit der Publikation der „Dan Cooper Gesamtausgabe“ begonnen, deren zwölf Bände in schneller Folge auf den Markt kommen werden – der fünfte Band ist gerade erschienen.

Für die Fans klassischer Flieger-Comics schließt sich so eine Lücke, denn Egmonts „Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure“ liegt bereits komplett vor und Sallecks „Buck Danny Gesamtausgabe“ besteht immerhin schon aus elf Bänden und deckt damit den Zeitraum von 1946 bis 1979 ab.

Es gibt einen bedeutenden Unterschied bei allen drei Klassikern. Während Buck Danny und Mick Tanguy von Jean-Michel Charlier ersonnen und von verschiedenen Zeichnern umgesetzt wurden, ist Dan Cooper ganz und gar das geistige Kind von Albert Weinberg, der von 1954 bis 1992 insgesamt 41 Alben geschrieben und gezeichnet hat. Die Anfänge sieht man in der ersten Ausgabe der Splitter-Edition, die die ersten drei Alben enthält, aber auch die Kurzgeschichte „Die Schallmauer“, die eine fünfseitige Adaption von David Leans Fliegerfilm „Der unbekannte Feind“ ist und so etwas wie der erste Versuchsballon für Weinberg war, einen Flieger-Helden in den Mittelpunkt zu rücken.

tanguy_1_cvrDas ist jedoch nicht der einzige Unterschied zwischen Buck Danny und Mick Tanguy auf der einen und Dan Cooper auf der anderen Seite. Charlier orientierte sich bei seinen Plots häufig am Weltgeschehen. Er ließ seine Helden an aktuellen und gerade vergangenen Kriegen teilhaben, während Dan Cooper als Testpilot eher andere Abenteuer erlebte. Gerade die ersten Geschichten zeichnen sich auch durch ein deutlich vorhandenes Science-Fiction-Element aus, die die Serie wohltuend von den Flieger-Kollegen abgrenzt. Zugleich ergibt sich dadurch aber auch größere Freiheit, da Weinberg seine Geschichten in fast alle Richtungen lenken konnte.

Charlier wiederum variierte als Vielschreiber auch gerne mal einen Plot. Möglicherweise vergaß er im Lauf der Zeit aber auch, wen er was erleben ließ, so dass es schon vorkam, dass Buck Danny und Mick Tanguy im Grunde ein gleiches Abenteuer erlebt haben.

Sehr großen Wert legen alle drei Serien auf die Darstellung der Flugzeuge. Albert Uderzo und später Jijé bei „Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure“ und Victor Hubinon bei der „Buck Danny Gesamtausgabe“ zeichnen sehr exakt und nutzten dafür jede Menge Dokumentationsmaterial. Weinberg hielt es nicht anders. Er hatte ein umfangreiches Archiv und war zudem ein exzellenter Risszeichner, der sehr großen Wert auf die authentische Darstellung der Technik gelegt hat.

Die Figuren sind indes unterschiedlich. Der Kanadier Dan Cooper ist Ingenieur, Testpilot und gelegentlich auch Astronaut, Buck Danny war Kampfpilot im Pazifikkrieg und Mick Tanguy ist Pilot der französischen Luftwaffe. Letztere beiden haben einen Kumpel, der für die Komik zuständig ist, bei Dan Cooper geht es indes ernsthafter zu.

buck-danny-1-cvrBei der „Buck Danny Gesamtausgabe“ liegen bislang 40 Alben gesammelt vor, 13 weitere, die zwischen 1983 und 2013 entstanden warten noch darauf, Teil dieser Ausgabe zu werden. „Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure“ umfasst neun Ausgaben. Enthalten sind hier 26 Alben, die in Frankreich von 1961 bis 2005 publiziert wurde, die Geschichte „Der große Bluff“ aus dem Jahr 1988 fehlt jedoch aus lizenzrechtlichen Gründen. Zudem sind in Frankreich 2012 und 2015 zwei weitere Abenteuer erschienen, die noch darauf warten, Teil dieser Gesamtausgabe zu werden. Einen weiteren Wermutstropfen gibt es noch: Der dritte Band ist bereits verlagsvergriffen und wird auf dem sekundären Markt entsprechend teuer gehandelt.

Allen dreien ist gemein, dass es umfangreiches Bonusmaterial gibt, auch wenn Mick Tanguy hier im Vergleich zu den Kollegen etwas schlechter abschneidet, da die redaktionellen Texte deutlich kürzer ausgefallen sind. Die „Dan Cooper Gesamtausgabe“ bietet sehr viel tiefergehendes Material, muss aber hinter der „Buck Danny Gesamtausgabe“ zurückstecken, da dort etwa 60-seitige Dossiers jeden Band auch zu einer comic-historischen Delikatesse machen.

In einer anderen Beziehung muss Dan Cooper hinter den Kollegen zurückstecken. Denn neu produzierte albenlange Abenteuer mit Buck Danny und Mick Tangy erscheinen bei Salleck, aber nun muss man sich erstmal freuen, dass Dan mit dem klassischen Material mit den Kollegen aufgeschlossen hat.

Mit der „Dan Cooper Gesamtausgabe“ schließt Splitter eine wichtige Lücke und präsentiert einen der letzten großen Klassiker frankobelgischer Provenienz in der ihm gebührenden Form. Dank zweimonatiger Veröffentlichungsweise hat der Fan die Reihe in nur zwei Jahren komplett – das hätte man sich vor nicht allzu langer Zeit gar nicht träumen lassen.