HOPFEN UND MALZ – Bierbrauer als Zeitgeschichte

hopfen-malz-2-cvrDer zweite von drei Teilen der Gesamtausgabe des Bierbrauer-Epos „Hopfen und Malz“ von Autorentitan Jean Van Hamme („Largo Winch“) und Zeichner Francis Vallès („Dorian Dombre“), enthält die Bände „Adrien, 1917“ und „Noël, 1932“, ergänzt wurde das Ganze erneut mit zwei chronologisch einsortierten Auszügen aus „Die Steenfords“, einem einst nachgereichtem Band mit Kurzgeschichten, die die Hauptstory ergänzen. Ansonsten finden sich als Extra-Material ein Text über die Verfilmung von „Hopfen und Malz“, die bedauerlicherweise bis heute nur als französischsprachige Originalversion vorliegt, und Informationen zum Thema „Steenfort Bier“ – die in der Geschichte genannte Brauerei Steenfort gab es zwar nicht, ein Bier mit Namen „Steenfort“ dafür aber schon.

Ein kleines Bisschen ist es schade, dass der schöne Stammbaum von Band 1 hier weggelassen wurde, denn bei der Vielzahl von Personen ist es nett, eine kleine, schnelle Orientierungshilfe zu haben, nicht jeder kann sich Namen und Gesichter gut merken, zumal das Gleiche gilt wie bei Band 1: Hamme schlägt ein zügiges Tempo an und gibt den Lesern nicht allzu lange Zeit, sich an einzelne Charaktere zu gewöhnen. In der gewohnt klaren, präzisen, völlig ballastfreien Erzählweise schraubt sich das Epos extrem unterhaltsam durch die Jahre und vermittelt dank prägnanten Einleitungstexten zu jedem Band und kleineren Details innerhalb der Erzählung (wie z.B. den Auftritt Léon Degrelles) auch historisches Wissen ohne je nur ansatzweise zur trockenen Lehrstunde zu geraten.

Sowieso: Es ist beachtlich, wie stilsicher „Hopfen und Malz“ auf den schmalen Grad zwischen Unterhaltung der durchaus etwas gehobeneren Art und puren Pulp schwankt ohne je abzustürzen: Auf der einen Seite wird Zeitgeschichte mit glaubwürdigen (und im Laufe der Handlung übrigens auch alternden) Charakteren präsentiert, auf der anderen Seite mag Hamme nicht auf das aus so vielen Comics, Romanen und Filmen bekannte, heiß geliebte hypersadistische Nazi-Kommandantenschwein verzichten und rauscht am Ende des Bandes sogar kurz in Richtung Gothic-Horror ab. Dass das trotzdem gut funktioniert liegt einzig und allein daran, dass all diese Elemente in einem ausgewogenen Gleichgewicht gehalten werden, der begnadete Autor ein wunderbares Gespür für den richtigen Rhythmus hat und die Ahnung wach wird, dass gerade die punktuellen Zuspitzungen vielleicht näher an der Realität dran sind, als sämtlicher Geschichtsunterricht dieser Welt.

Jean Van Hamme, Francis Vallès: Hopfen und Malz – Gesamtausgabe Band 2. Leipzig, Comicplus. 128 Seiten, € 34,00