THE GHOST IN THE SHELL – In einem Wort: Klassiker

Das zwischen 1989 und 1990 veröffentlichte Science-Fiction-Epos „The Ghost In The Shell“ über die Jagd der von Major Motoko Kusanagi angeführte Anti-Terroreinheit Public Security Section 9 nach dem übermächtigen Hacker „Puppet Master“, kann wohl mittlerweile mit Fug und Recht als absoluter Klassiker bezeichnet werden. Ein Manga-Meilenstein, dessen Einfluss weit über Japan hinausreicht und der mittlerweile zu einer großen, aber erstaunlicherweise qualitativ überwiegend hochwertigen Franchise erweitert wurde.

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Scarlett Johansson in „Ghost in the Shell“

Wo viel Ruhm ist, da wartet natürlich Hollywood normalerweise nicht lange, erstaunlicherweise wurden die Rechte allerdings erst 2008 nach Amerika verkauft und erst in diesem Jahr, am 30. März 2017, flimmert die obligatorische Big-Budget-Verfilmung über die weltweiten Leinwände. Was lange währt, währt endlich gut? Wir wollen’s hoffen, positive Anzeichen bisher: Das Casting ist mit Scarlett Johansson, Pilou Asbæk, Juliette Binoche, Takeshi Kitano, Michael Pitt, Rila Fukushima, Tricky und Michael Wincott ein wunderbarer Strauß bunter Blumen und Regisseur Rupert Sanders hat 2012 mit dem von Kritik und Publikum zu Unrecht verprügelten „Snow White and the Huntsman“ bewiesen, dass er zumindestens eindrucksvolle Bilder auftischen kann. Weniger frohlocken lässt der Umstand, dass die beiden Drehbuch-Autoren mit „Straight Outta Compton“ (2015) und „Street Kings“ (2008) nur mäßige Credits vorzeigen können und dass Hollywood sich auf diesem Budget-Level garantiert nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen wird, der ruppige Umgang mit dem Hauptcharakter verursacht schon jetzt dezentes Afterzucken: Da es sich bei Hauptdarstellerin Scarlett Johansson natürlich nicht um eine Asiatin handelt wird im Kinofilm aus Major Motoko Kusanagi kurzerhand „The Major“. Oh weh. Aber schauen wir mal, auch in unserer heutigen Zeit sollen noch Zeichen und Wunder geschehen!

U_9380_1A_EMA_THE_GHOST_IN_THE_SHELL_01.IND8Der kommende Kinofilm bietet Egmont Manga natürlich eine gute Gelegenheit die längst vergriffene Ausgabe von Masamune Shirows unsterblichen Comic-Hit neu aufzulegen, dieses Mal zusammengefasst in einem Band und sogar unzensiert, das heißt zwei vormals fehlende Farbseiten mit nicht zwingend notwendigen lesbischen Sexeinlagen sind jetzt wieder drin.

Doch was natürlich am allermeisten interessiert: „The Ghost In The Shell“ ist fast 30 Jahre alt – überzeugt der Cyberpunk-Opa heute immer noch?

Selbst die rosaroteste Fanbrille wird nicht ausknipsen können, dass ein wenig der Schneidezahn der Zeit an Shirows Epos geknabbert hat, vor allem macht sich das in der Art zu Erzählen bemerkbar, auch wenn die Figuren durchaus verschiedene Facetten haben, eine Charakterentwicklung findet nicht statt, die Rollen sind klar definiert. Das mindert aber dennoch nur unwesentlich den Spaß an der komplexen Geschichte, zumal Shirow vor allem in einer Sache in der absoluten Meisterliga spielt: Selten wurde so detailverliebt eine fiktive Welt aufgefächert, selbst am Rande der Panels finden sich noch Anmerkungen und Erklärungen, man wird fast schon ein bisschen erschlagen, aber wer sich drauf einlässt, wird viel Spaß haben und diese bis ins kleinste durchgeplante Universum immer und immer wieder aufsuchen wollen, zumal auch die dynamischen und in den Farbseiten auf das allerprächtigste kolorierten Zeichnungen prima durch die Jahrzehnte gewandert sind.

Lange Rede, noch kürzerer Sinn: „The Ghost In The Shell“ ist und bleibt Pflichtlektüre für jeden Manga- und/oder Science-Fiction-Fan, der auch nur im Entferntesten was auf sich hält, ein Bücherregal ohne „The Ghost In The Shell“ ist kein Bücherregal.

Da jeder, der mit diesem wundervollen Stoff in Berührung kommt, garantiert lebenslang süchtig wird, gibt’s im Folgenden noch einen Überblick mit Hinweisen, bei welchem Dealer man seinen nächsten Schuss beziehen kann (leider wurde bisher nicht alles im deutschsprachigen Raum ausgewertet):

„Die Welt von THE GHOST IN THE SHELL“

U_9381_1A_EMA_THE_GHOST_IN_THE_SHELL_2_MANMACHINE_INTERFACE_02.IMANGA (alle bei Egmont Manga erschienen)
• Ghost In The Shell
• The Ghost In The Shell 2 – Manmachine Interface
• Ghost In The Shell 1.5 – Human Error Processor (ab 02.02.2017)
• Ghost In The Shell – Stand Alone Complex 01 (ab 06.04.2017)
• Ghost In The Shell – Stand Alone Complex 02 (ab 01.06.2017)
• Ghost In The Shell – Stand Alone Complex 03 (ab 03.08.2017)

ANIME
• Ghost In The Shell (erschienen bei Nipponart)
• Ghost In The Shell 2.0 (erschienen bei Nipponart)
• Ghost In The Shell 2: Innocence (erschienen bei Universum Film)
• Ghost In The Shell – Stand Alone Complex (erschienen bei Nipponart)
• Ghost In The Shell – S.A.C. 2nd GIG (erschienen bei Nipponart)gits-nippon
• Ghost In The Shell – S.A.C. Individual Eleven (erschienen bei Manga Entertaimment)
• Ghost In the Shell – Stand Alone Complex: Solid State Society (erschienen bei Nipponart)
• Ghost In The Shell – Stand Alone Complex: The Laughing Man (erschienen bei Manga Entertainment)
• Ghost In The Shell: Arise – Border 1: Ghost Pain (erschienen bei Manga Entertainment)
• Ghost In The Shell: Arise – Border 2: Ghost Whispers (erschienen bei Manga Entertainment)
• Ghost In The Shell: Arise – Border 3: Ghost Tears (erschienen bei Manga Entertainment)
• Ghost In The Shell: Arise – Border 4: Ghost Stands Alone (erschienen bei Manga Entertainment)
• Ghost In The Shell: Arise – Pyrophoric Cult (erschienen bei Bandai Visual)
• Ghost In The Shell: Arise – Alternative Architecture (unveröffentlicht)
• Ghost In The Shell: The New Movie (erschienen bei Funimation)

gits-gameSPIELE
• Ghost In The Shell (PlayStation)
• Ghost In The Shell: Stand Alone Complex (PlayStation 2)
• Ghost In The Shell: Stand Alone Complex (PlayStation Portable) (Sequel zum PS2-Spiel, wurde in Japan mit dem Zusatztitel „Domain Of The Hunters“ veröffentlicht, der im Westen merkwürdigerweise allerdings gestrichen wurde, was gerne für Verwirrungen sorgt)
• Ghost In The Shell: Stand Alone Complex – First Assault Online (Microsoft Windows)

Masamune Shirow: The Ghost In The Shell. Egmont Manga, Köln 2016. 346 Seiten, € 25