BLACK PANTHER – Held, König, Tyrann?

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blackpanther1_softcover_817Es ist schon ein Ding mit Marvel, so fad die Kinofilme auch mittlerweile geworden sind, im Serien- und im Comicbereich gibt die Ideen-Schmiede seit einigen Jahren mächtig Vollgas, was sich vor allem auf die bisher nicht ganz so bekannten Charaktere aus dem großen, bunten Universum des Comic-Riesen positiv ausgewirkt hat. Next in line ist Black Panther, der von Stan Lee und Jack Kirby erdacht wurde und 1966 zum ersten Mal eine bisher eher vernachlässigte Leserschar mit seinen Heldentaten erfreuen durfte, denn Black Panther gilt als erster afrikanischer Mainstream-Comic-Held überhaupt. Doch auch wenn Marvel dank der Figur zu der allerersten Graphic Novel kam (die sich über 14 Ausgaben erstreckende Geschichte „Panther’s Rage“ im Magazin Jungle Action), entwickelte der schwarze Held – ähnlich wie der etwas später auftauchende Kollege Luke Cage – nie so richtig kommerzielle Durchschlagskraft und blieb deutlich hinter den prominenten Superhelden-Kollegen aus dem selben Haus zurück. Das könnte sich mit dem auf 12 Folgen angelegten Neustart ändern, in den USA gingen allein im Erscheinungsmonat über 250.000 Exemplare über die Ladentheke, da musste sich sogar der zeitgleich erschienene, neue Star-Wars-Comic „Poe Dameron“ geschlagen geben.

Black Panther – Ein Volk unter dem Joch“ ist das Comic-Debüt vom Journalist und Schriftsteller Ta-Nehisi Coates, der mit der Forderung nach Reparationen für die derzeit in den USA lebende schwarze Bevölkerung, als Entschädigung für das in der Sklaverei und in der Phase der Rassentrennung bis in die 1960er-Jahre erlittene Unrecht, für Aufsehen sorgte, denn, so sein Argument, ohne die schwarze Bevölkerung wäre aus der USA keine Weltmacht geworden. Des Weiteren stürmte Coates mit seinem Buch „Zwischen mir und der Welt“, einer Auseinandersetzung mit Rassismus und amerikanischer Identität, 2015 die amerikanischen Bestseller-Listen.

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Man ahnt, dass jemand mit solch einem Hintergrund nicht einfach nur den nächsten Superhelden-Comic abliefert und folgerichtig geht es auch entsprechend schwergewichtig zu: Black Panther heißt eigentlich T’Challa und ist der König von Wakanda, einem unabhängigen afrikanischen Staat; dank seines Bodenschatzes Vibranium eine sozial und technologisch hoch entwickelte Gesellschaft, die allerdings nicht ihre Wurzeln vergessen hat, denn die Mythen und Bräuche der Vorfahren leben im Alltag fort. An diesem Ort startet das Epos auch: Die Arbeiter in der Vibraniummine erheben sich – angestachelt von einer mysteriösen Frau – gegen ihren König, was zu einem Massaker führt, als T’Challas Soldaten den Aufstand brutal niederschlagen…

Wer einen schnellen, unkomplizierten Superheldencomic will, wird bei „Ein Volk unter dem Joch“ in die Röhre schauen – Action gibt es natürlich auch, aber der erste Band ist im Endeffekt eine einzig große Exposition, die dazu genutzt wird, eine Reihe von zum Teil ziemlich ambivalenten Figuren einzuführen und diverse Handlungsstränge und thematische Schwerpunkte festzulegen, so werden unter anderem die Bedeutung von Staaten, Demokratie oder Autokraten verhandelt.

Das wirkt im ersten Moment sicherlich etwas erschlagend, entfaltet aber nach und nach, auch oder vielleicht gerade, weil sich der Comic Zeit nimmt, einen „The Wire“-ähnlichen Reiz, da man regelrecht spürt, wie hier Schritt für Schritt eine unglaublich lebendige Welt aufgefächert wird, die im besten Fall vielleicht auch ein bisschen zur Selbstreflexion auffordert.

Eine faszinierende Wiedergeburt eines bereits vormals nicht uninteressanten Helden, dessen Potential sich nun völlig entfaltet. Man kann nur hoffen, dass Marvel den Mut aufbringt, auch den kommenden Kinofilm so dermaßen radikal zu gestalten.

Eine Leseprobe findet sich hier.

Ta-Nehisi Coates, Brian Stelfreeze: Black Panther 1: Ein Volk unter dem Joch. Panini, Stuttgart 2017. 108 Seiten, € 14,99