DIE EISENDIVISIONEN – Was wäre wenn…?

eisendivisionen1Wichtige Ereignisse des Zweiten Weltkriegs: der J-Day – die Landung der Japaner auf dem amerikanischen Festland. Oder die Schlacht von Smolensk und die Erbeutung des Kampfpanzers Wilhelm Gustloff. Nie davon gehört? Kein Wunder, passiert auch nur hier, in „Die Eisendivisionen“, einer neuen Reihe bei Bunte Dimensionen, die sich einmal mehr mit der allseits beliebten „Was wäre wenn…?“-Frage beschäftigt. In dieser alternativen Zeitlinie endete der Krieg nicht im Jahre 1945 und schon gar nicht mit der Niederlage Deutschlands und Japans. Im Dezember 1944 präsentiert die Wehrmacht erstmals die Ergebnisse ihres geheimen Projekts „Landkreuzer“: riesige, technisch überlegene und futuristische MeKa-Panzer bringen den Alliierten in den Ardennen eine empfindliche Niederlage bei. Nur zwei Monate später ist deren Offensive gestoppt. Mehr noch: die Rote Armee wird mit Hilfe der neuen Waffe zurückgeschlagen, der deutsche Vormarsch auf Moskau beginnt erneut. Inzwischen bewahrt die USA Neutralität, was sich 1948 schlagartig wieder ändert, als die Japaner ein zweites mal Pearl Harbor angreifen und nun sogar ganz Hawaii besetzen…

eisendivisionen2Klingt alles martialisch, wird tatsächlich nüchtern per Chronologie auf den inneren Umschlagseiten so geschildert und bleibt auch in den Geschichten reichlich unreflektiert. Videospieler mögen für die Landkreuzer oder MeKa-Panzer, die den Verlauf des Krieges ändern und die bald von jeder beteiligten Nation eingesetzt werden, einen anderen Namen kennen: Mechs. Diese roboterartigen Kampfmaschinen (bekannt aus Games wie Mechwarrior oder Steel Battalion – das mit dem gigantischen Controller…) integriert Autor Jean-Luc Sala („Cross Fire“, „Quästor“ bei Splitter) als Wunderwaffen in den Zweiten Weltkrieg und kreiert so eine neue Geschichtsschreibung mit futuristischem Touch, die er als Anthologie präsentiert, in der jeder Band einen anderen Kriegsschauplatz bedient, der jeweils auch von einem anderen Zeichner in Szene gesetzt wird. So finden wir uns in Band 1 („Das Rote Kommando“) in Russland wieder, wo ein Himmelfahrtskommando mit der Kampfpilotin Leutnant Tanja Jakwolewa im Jahr 1946 den gigantischen und praktisch unbezwingbaren Panzerstahlläufer Wilhelm Gustloff (eine doch sehr unglückliche Namensgebung…) kapern soll. Der zweite Band („Invasion aus dem Pazifik“) beinhaltet dann die besagte Invasion der Japaner, die 1948 in Kalifornien startet, aus der Sicht einer Gruppe GIs.

Alternative Zeitlinien den Zweiten Weltkrieg betreffend haben im Comic durchaus Konjunktur. Aus den USA erscheint Kieron Gillens deftige Reihe „Über“ gerade bei Panini und der All Verlag hat mit „Bärenzahn“ und „Wunderwaffen“ gleich zwei Serien im Programm, die dieses Sujet abdecken. In den beiden bisher erschienenen Alben der „Eisendivisionen“ (Band 3 ist bei Soleil in Frankreich bereits erhältlich) stehen exemplarisch zwei Einzelschicksale im Vordergrund. In der Russland-Episode ist das Tanja Jakwolewa, eine erfahrene, indoktrinierte Pilotin, die nun an einer Eisenläufer-Rüstung für die mehr als heikle Mission ausgebildet wird und bei der die Verteidigung des Vaterlandes an erster Stelle steht – was übrigens propagandistisch und linientreu von Regisseur Sergej Eisenstein („Panzerkreuzer Potemkin“) mit der Kamera festgehalten wird. Dagegen geht es bei Casey, der als einfacher Soldat an der kalifornischen Küste stationiert ist, zuerst nur ums blanke Überleben, ehe er beinahe zufällig den Verlauf der japanischen Invasion beeinflussen kann, ein funktionierendes Telefon vorausgesetzt…

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Aus „Eisendivisionen“ Band 2

Auch zeichnerisch unterscheiden sich beide Bände stark. Während Ronan Toulhoat (u.a. „Sherlock Holmes Society“ bei Splitter) auf satte Farben mit bunten Akzenten und Computer-Effekte setzt, was immer wieder an „The Red Star“ (dt. bei Cross Cult) erinnert, zeigt Afif Khaled („Die Chroniken von Centrum“ bei Ehapa) einige Schwächen in der Darstellung von Personen und Gesichtern, erschafft aber in seiner Kalifornien-Episode die gelungene Atmosphäre einer verzweifelten und schließlich aussichtlosen Lage, die auch die gehetzten und unterlegenen GIs mit der Schlacht um Alamo vergleichen. Gute Idee: in der bereits erwähnten Chronologie sind einige Ereignisse und Zusammenhänge ganz oder Teilweise geschwärzt. Diese werden in den einzelnen Bänden behandelt und somit nach und nach aufgedeckt. Das macht neugierig und hält den Leser motivierend auf Trapp. Band 3 („Operation Rebalance“) ist in Vorbereitung.

Jean-Luc Sala, Ronan Toulhoat: Die Eisendivisionen, Band 1: Das Rote Kommando. Bunte Dimensionen, Augsburg 2016. 48 Seiten in Farbe, 14 Euro

Jean-Luc Sala, Afif Khaled: Die Eisendivisionen, Band 2: Invasion aus dem Pazifik. Bunte Dimensionen, Augsburg 2016. 48 Seiten in Farbe, 14 Euro