FMD – Dostojewski einmal anders

fmd-cvrTja, was soll man zu Fjodor Michailowitsch Dostojewski noch sagen? Russische Schriftsteller-Legende vor dem Herrn, dessen in mehr als 170 Sprachen übersetzte Romane, Erzählungen, Novellen und sonstige Texte bis zum heutigen Tag rauf- und runter rezipiert werden. Selbst Menschen, die um Bücher normalerweise einen riesengroßen Bogen machen, werden dank bis dato über 230, mal mehr, mal weniger vorlagengetreue Verfilmungen bewusst oder unbewusst über das Werk dieser Ausnahmeerscheinung gestolpert sein.

Wie fast alle Genies war Dostojewski als Mensch nicht ganz unkompliziert und hatte dementsprechend natürlich auch ein turbulentes Leben, das mindestens genauso interessant ist, wie seine Romane und über die Jahre natürlich in einer Reihe von Biografien festgehalten wurde. Diese Reihe ergänzt der russischstämmige Illustrator und langjährige Dostojewski-Fan Vitali Konstantinov nun um die erste Comic-Biografie, wobei Konstantinov keinesfalls den einfachen Weg geht und lediglich ein Künstlerleben abschreitet, das bewegte Dasein des Schriftsteller-Fürsten wird zwar in klassischen Comic-Panels aufgerollt, aber es werden auch – um die Verbindung zwischen Leben und Arbeit zu verdeutlichen – die Romane („Der Spieler“, „Schuld und Sühne“…etc.) eingewoben und zwar mit Hilfe von Simultanbildern. Das heißt, die prägnanten Stellen der Bücher, die zeitlich oder räumlich getrennt sind, werden auf einmal dargestellt, so in etwa, wie das Regie-Genie Paul W.S. Anderson immer am Anfang der „Resident Evil“-Filme gerne macht. Wobei die Inhalte hier natürlich deutlich komplexerer Natur sind, erstaunlicherweise schafft es Konstantinov aber auf diese Weise kongenial Dostojewskis Arbeiten auf allerengstem Raum tatsächlich auf den Punkt zu bringen.

„FMD“ ist trotz gerade mal 64 Seiten keine leichte, schnelle Lesekost, man muss sich dank der enormen Detailfülle der Bilder, deren zum Teil komplexe Anordnung und dem anspruchsvollen Inhalt durchaus reinfuchsen, anderseits ist der Band auch wirklich atemberaubend gestaltet und ein Musterbeispiel gestalterischer und narrativer Ökonomie: Wie unglaublich viel hier auf unglaublich wenig Platz untergebracht wird, ist schon beachtlich – Comic-Biografie, wie’s auf der Verlagsseite heißt, ist eine sanfte Untertreibung, Konstantinov hat hier einen unglaublich faszinierenden Wirbelsturm der Bilder und Buchstaben geschaffen, in den man sicherlich verloren gehen, aber durchaus auch gestärkt wieder heraustreten kann.

 Vitali Konstantinov: FMD – Leben und Werk von Dostojewksi. Knesebeck, München 2016. 64 Seiten, € 22,–

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