LUDIVINE – Offenherzig durch die Jahrtausende

Ludivine_01_kleinGeschichtsstudentin Ludivine, blond, kurvenreich, natürlich knapp bekleidet, eine Geschichtsstudentin, wie so wohl vor allem im Comic vorkommt, doktert an ihrer Doktorarbeit, die ursprünglich „Sex regiert die Welt“ heißen sollte, aber nun den etwas unverfänglicheren Titel „Geschichte ohne Hülle“ bekommen hat und sich drum drehen soll, wie sehr Sex die Geschichte beeinflusst hat. Zusammen mit ihrem Kumpel Jean begibt sie sich in die Bücherei um ihr bisher Geschriebenes zu redigieren, doch – oh Schreck – als sie den USB-Stick an den PC andockt, entsteht ein Wirbel, der die kecke Maid in den Bildschirm und von da aus direkt in die Steinzeit zieht, wo sie gleich mal bei ein paar Neandertalern für heftig Eindruck sorgt und deren Frauen beibringt, dass das Leben nicht nur aus der Zubereitung von Nahrung besteht, was wiederum natürlich deren Männer nicht so ganz gefällt, aber es gibt ja den Wunder-Computer, der Ludivine für den Rest des Albums durch die Epochen wirbelt…

Ludivine – Unterm Mantel der Geschichte“ wirkt ein wenig wie aus der Zeit gefallen und das ist auch nicht unbedingt ein Wunder, denn Dany (Daniel Henrotin) ist an Bord, der zusammen mit seinen beiden Kollegen Erroc (Gilles Corre) und Michel Rodrigue ungeniert die Ära der schlüpfrig-lustigen Softerotik-Comics der Achziger- und frühen Neunziger-Jahre aufleben lässt, an der er mit „Interesse?“ und anderen Titeln maßgeblich beteiligt war (ein anderes wunderbares Beispiel wäre Pat Mallets „Die kleinen grünen Männchen“, denen man zeitweise wirklich gar nicht mehr entkommen konnte). Der einzige Unterschied ist, dass es sich in diesem Fall nicht um kleine Strips oder Einseiter handelt, sondern dass die von Dany wie immer gut und ziemlich niedlich gezeichneten erotischen Blödeleien in ein 48seitiges Plotgerüst gepackt wurden.

Dass es sich dabei nicht gerade um sonderlich anspruchsvolle Unterhaltung handelt, dürfte klar sein und der Humor ist, wie einstmals, Geschmackssache, mal flach, mal gewitzt (nett sind vor allem die selbstreflexiven Gags, an einer Stelle etwa stellt die gerade wieder frisch entblätterte Ludivine entnervt fest: „Hätte mich auch gewundert, wenn ich dieses Korsett länger als zwei Seiten angehabt hätte…!“), aber halt auch nie wirklich bösartig.

Eine flotte, unkomplizierte und irgendwie liebenswert-naive Feierabendunterhaltung, am besten genossen mit zwei-drei Bier und einer Tüte Chips!

Erroc, Michel Rodrigue, Dany: Ludivine – Unterm Mantel der Geschichte. Toonfish, Bielefeld 2017. 56 Seiten, 13,95 Euro

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