GALKIDDEK – Rache, Intrigen und die Schaffung von Leben

Galkiddek_01_kleinEinst steckten das Reich Galkiddek und die gleichnamige Burg voller Lebensfreude. Feste wurden gefeiert. Musik ertönte. Blumen blühten. Einst. Denn durch den Freitod der Burgherrin Eloée, die so ihren Häschern entgehen wollte, änderte sich alles. Galkiddek wurde zu einer tristen, düsteren Zitadelle, aus der jegliche Schönheit und Freude gewichen sind. Und damit spiegelt die Burg den Gemütszustand ihres Herrschers wider. Sir Galohan, Eloées Gatte, sinnt nicht nur auf Rache, ihn treibt noch ein weiteres, ungeheures Versprechen um: sein Haus- und Hof-Magier Alcantor will nämlich Eloée von den Toten zurückholen und benötigt dafür die Hilfe eines Bildhauers, der sich in der verfeindeten Stadt Ram aufhält. Galohan zögert nicht, einen Krieg gegen Ram zu entfachen, an dessen Ende die Eroberung der Stadt und der Tod ihres Herrschers, Graf Enoch, stehen. Enochs Tochter Lady Lillewyn lässt Galohan ins finstere Galkiddek bringen, tut sich damit aber keinen Gefallen. Denn Lillewyn ist ihrerseits auf Rache für den brutalen Mord an ihren Vater aus. Und ihre Neugier führt sie auf die Spur der seltsamen Machenschaften Alcantors…

Von Frank Giroud, 1956 in Toulouse geboren, erschienen die meisten Alben und Serien auf Deutsch bisher bei Comicplus (u.a. „Zehn Gebote“, „Quintett“). Mit ebendiesen Reihen hat sich der Franzose als Autor von intelligenten Geschichten profiliert. Auch hier, in „Galkiddek”, einer Fantasy-Reihe, die er 2013 begann und die mit drei Bänden bei Delcourt in Frankreich komplett vorliegt, präsentiert er keine stringente Handlung, sondern geht in die Breite, indem er beinahe episodisch mehrere Personen nacheinander in den Vordergrund stellt und dabei den roten Faden der Story fast nur beiläufig behandelt. So erleben wir Sir Galohan, den Herrn von Galkiddek, der aufgrund des Todes seiner geliebten Eloée in blinder Wut und Rache eine ganze Stadt und deren Herrscher, Graf Enoch, vernichtet. Danach konzentriert sich die Story auf Enochs Tochter Lady Lillewyn, die nach Galkiddek verschleppt wird, dort aber seltsamerweise wie ein Gast behandelt wird (der freilich in den Mauern der Burg festsitzt) und schließlich zum Wolf im Schafspelz mutiert. Und dann ist da noch der Magier Alcantor, ein Alchemist, der aus welchen Gründen auch immer zu seinem Herrn Sir Galohan zurückgekehrt ist, obwohl der ihn einst dem Tode überließ.

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Was uns zum roten Faden führt: Alcantors Angebot an Galohan klingt unglaublich. Er will die holde Eloée von den Toten zurückholen. Nicht den Stein der Weisen will er als Alchemist finden, nicht Gold will er herstellen, sondern Leben. In einer Variation des Golem- oder Homunculus Motivs (evtl. auch ein wenig Frankenstein, aber das werden wir noch sehen) sind Alcantors Wege und Mittel dazu noch unklar. Um dieses Ziel zu erreichen bildet er ein verschworenes Duo mit seinem Herrn Sir Galohan, dem Lady Lillewyn langsam auf die Schliche kommt. Was neugierig auf den nächsten Band macht. Denn die Aufgabe bzw. das Werk des Bildhauers, wegen dem letztendlich eine ganze Stadt dran glauben musste, sehen wir noch nicht. Der Schlüssel zur Story scheint bei Alcantor zu liegen. Warum hat er Galohan dieses Angebot gemacht, warum ist er ausgerechnet zu ihm zurückgekehrt? Zu dem Getriebenen, der mitunter dem Wahnsinn zu verfallen scheint. Und Lillewyn? Die gibt sich schließlich gefügig, um Vertrauen zu gewinnen und anschließend im geeigneten Moment ihre Rache zu vollenden. Was für ein munteres Völkchen!

Der Italiener Paolo Grella, von dem bei Ehapa bereits der All-In-One Band „Das verbotene Manuskript“ erschien, setzt die Handlung opulent in Szene. Anfangs. Auf den ersten Seiten kommen seine Panels schon fast Gemälde artig daher. Reiter hoch zu Ross, gewaltige Stadtansichten, die an Bilder aus „Herr der Ringe“ erinnern, in kräftige Farben getaucht. Danach – die Handlung spielt nun komplett auf Galkiddek – werden die Bilder – warum auch immer – konventioneller und konzentrieren sich viel auf die Darstellung von Personen und Gesichtern. Die Rückblenden, die Licht in die Motive der Personen bringen und die die Vergangenheit erhellen, sind farblich abgesetzt in Graustufen gehalten und mit Rottönen durchzogen, was sehr gefällig ausschaut. Band 2 des Rache- und Intrigenspiels mit Fantasy-Magier soll im September diesen Jahres erscheinen.

Eine Leseprobe findet sich hier.

Frank Giroud, Paolo Grella: Galkiddek, Band 1: Die Gefangene. Splitter Verlag, Bielefeld 2017. 48 Seiten, 14,80 Euro