OLD MAN LOGAN – Die neue Serie von Lemire und Sorrentino

oldmanlogan1_softcover_608Gleich vorab: Wenn man an dieser Reihe eins bemängeln könnte, dann ist es die etwas unkreative Namensgebung, denn bei „Old Man Logan“ handelt es sich (natürlich) nicht um den Klassiker „Wolverine: Old Man Logan“ von Mark Millar, sondern um eine neue Serie von Jeff Lemire und Andrea Sorrentino, die die aus der „Secret Wars“-Storyline entsprungene Mini-Serie „Old Man Logan: Die Rückkehr“ von Brian M. Bendis und Sortino fortsetzt. Und um die Verwirrung perfekt zu machen, gibt es ab Donnerstag auch einen neuen Wolverine-Spielfilm mit dem Titel „Logan“ im Kino zu sehen, der lose auf der Vorlage von Millar basiert. Klar, da kann man trotzdem durchsteigen, eine etwas schärfere Abgrenzung wäre aber dennoch schön gewesen, um Menschen (wie zum Beispiel dem Autoren dieser Zeilen), die rasend schnell zur Orientierungslosigkeit neigen, den Überblick etwas zu erleichtern, zumal Buchhändler die Zusatztitel gelegentlich gerne weglassen, da heißt es dann bei allem nur noch „Old Man Logan“.

Wie auch immer, schön ist jedenfalls, dass man „Old Man Logan“ so gestaltet hat, das im Prinzip kaum Vorkenntnisse gefragt sind, man ist sofort mittendrin, im apokalyptischen Geschehen: In der Zukunft wird das total zerstörte Amerika von fiesen Schurken unterjocht, Wolverine existiert, offiziell, nicht mehr, er ist jetzt, im besten Clint-Eastwood-„Erbarmungslos“-Modus, ein alter gebrochener Farmer mit Namen Logan, seine Freunde sind tot, die Nachfahren des Hulk haben seine Familie ins Jenseits befördert. Doch Wolv… äh, Logan erhält eine neue Chance: Er wird, mit dem Wissen um die Zukunft, in die Gegenwart befördert und macht sich gleich dran, die eigene Zukunft zu verhindern, was allerdings nicht ganz so einfach ist – allerdings sollte man alte Männer nie unterschätzen!

oldmanlogan2_softcover_908Bei „Old Man Logan“ wird mal wieder deutlich, was ein exzellenter Zeichner wert ist: Nichts gegen Jeff Lemire, der Mann ist ein guter Geschichtenerzähler und trumpft mit knappen, knochentrockenen, präzise getakteten Dialogen auf, aber die Story wird schlussendlich mal wieder von Lemires begnadeten „Green Arrow“-Weggefährten Andrea Sorrentino (der auch schon „Die Rückkehr“ veredelte) nach Hause getragen, der unterhalb von „saugeil“ offenbar gar nicht mehr kann: Die stellenweise leicht an Frank Miller erinnernden Bilder hauen einem mit originellen Perspektiven, differenziert und extrem lebendig gezeichneten Charakteren, einfallsreichen Hintergründen und einem fantastischen Sinn für Dynamik von Seite zu Seite erneut aus den hoffentlich frisch gewaschenen Socken. Einer der Lieblingsmomente des Rezensenten: Logan erfährt von einem frisch verdroschenen Handlager den Namen einer gesuchten Person und springt auf der nächsten Doppelseite von einem höher gelegenen Dach direkt zur gegenüberliegenden Häuserfront – in dieser Szene ist unser Held nur als Schatten in einer lediglich von einem Blitz erhellten Nacht zu sehen – und da, was auf der drauffolgenden Seite gezeigt wird, in das Fenster des unwürdigen Gangsters. Wow!

Wie immer diese neue „Old Man Logan“-Serie auch weitergeht, auf jeden Fall muss man sich bis jetzt nicht im Geringsten hinter dem Millar-Klassiker verstecken. Toll!

Eine Leseprobe von Band 1 findet sich hier.

Jeff Lemire, Andrea Sorrentino: Old Man Logan 1. Panini, Stuttgart 2016. 100 Seiten, € 12,99

Jeff Lemire, Andrea Sorrentino: Old Man Logan 2. Panini, Stuttgart 2017. 116 Seiten, € 12,99

Die „Old Man Logan“-Reihe im Überblick:
– Mark Millar, Steve McNiven: Wolverine: Old Man Logan
– Brian M. Bendis, Andrea Sorrentino: Old Man Logan: Die Rückkehr
– Jeff Lemire, Andrea Sorrentino: Old Man Logan 1
– Jeff Lemire, Andrea Sorrentino: Old Man Logan 2