ORBITAL 4.1 – Alarm im Weltall: Kaleb und Mezoke auf der Flucht

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Orbital7_Vignette_v1Inzwischen sind der Mensch Kaleb Swany und Mezoke Izzua vom Volk der Sandjaren, beide einst ein vielversprechendes Diplomaten-Binom der IDA (Interweltliche Diplomatische Abteilung), gesuchte Gesetzlose, die gemeinsam mit Kalebs verschollen geglaubter Schwester Kristina und dem Nevronom Angus (ein lebendes Raumschiff!) unerkannt und verborgen durch das Universum tingeln. Um an Geld zu kommen, lassen sie sich auf ein dubioses Geschäft auf dem Outlaw-Planeten Tetsuam ein, der von einer Mafia-Alien-Rasse beherrscht wird. Das Geschäft klappt zwar, doch Kaleb und Mezoke fliegen auf und werden einmal mehr gejagt. Inzwischen bereiten die nach Jahrhunderten zurückgekehrten Nevronome der IDA Sorgen. 300 Stück von Angus‘ Artgenossen sind auf über 250 Planeten aufgetaucht und die ersten dieser mächtigen Wesen beginnen wie damals, sich selbst zu zerstören und reißen dabei jedesmal tausende unschuldige Lebewesen in den Tod. Ein Grund mehr für die IDA, Kaleb und Mezoke dringend zu finden. Liegt der Schlüssel zur Lösung dieser neuen Krise doch womöglich bei Angus…

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Ein vermeintliches Dilemma, das schnell zum Vergnügen wird: neue Bände von „Orbital“, der SF-Serie von Autor Sylvain Runberg und Zeichner Serge Pellé, lassen immer lange auf sich warten (jetzt wieder über ein Jahr und das war noch fix…). Das bedeutet, dass man inzwischen wieder aus der Story „raus“ ist und die vorherigen Alben zur Hand nimmt, um sich so auf die Schnelle wieder ein Bild zu machen. Auf die Schnelle… Mir ging es so, dass ich alle Bände wieder komplett chronologisch gelesen habe. Und hier setzt das Vergnügen ein. Denn nur wenn man einen kompletten Überblick über die Welt von Orbital hat, allen Personen und Aliens wieder begegnet und so mit dem überbordenden SF-Universum wieder vertraut ist, erkennt man, wie die Geschichten ständig ineinander übergreifen. Denn Runberg und Pellé schufen mit Orbital ein geschlossenes und homogenes Universum, das von Beginn an komplett vorhanden war und dessen Details man nun in Form einzelner Geschichten ausarbeitet, was es im Grunde unumgänglich macht, die Serie in ihrer Gänze zu kennen. So wissen wir bereits seit Band 1, was ein Nevronom ist. Nun kehren diese geheimnisumwitterten wie mächtigen Lebewesen zurück und werden erneut zu einer vermeintlichen Bedrohung.

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Die Serie nährt ihre Faszination aus vielen Quellen. Das originäre SF-Universum haben wir bereits angesprochen. Dann die Charaktere: Mezoke aus dem mysteriösen Volk der Sandjaren, bei es unklar ist, ob es sich wirklich um ein weibliches Wesen handelt (Kaleb geht wohl davon aus… siehe die wunderbare Episode im Mega-Bordell). Und Kaleb und seine Schwester Kristina mussten als Kind mit ansehen, wie ihre Eltern bei einem verheerenden Anschlag der Isolationisten, die verhindern wollten, dass sich die Menschen der IDA anschließen, bei einem Anschlag getötet wurden. Seitdem sind die Menschen bei den zahllosen Völkern innerhalb des Bundes unbeliebt. Gelinde gesagt. Auf ihnen liegen massive Vorurteile, sie sind unerwünscht und werden verachtet. Umso größer war der Aufschrei als mit Kaleb ein erster Mensch zum IDA-Diplomaten wurde. Dann erweist sich die vermeintlich hehre Organisation auch noch als korrupt, durchsetzt von machthungrigen, skrupellosen Egos, die nur auf eigenen Vorteil bedacht sind. Diskriminierung, Ausgrenzung, Rassismus, Machthunger, Rücksichtslosigkeit. Lauter unschöne Begriffe, die leider gerade in unserer Gegenwart, in unserer eigenen Welt eine traurige und gleichsam bedenkliche Renaissance erfahren.

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Nicht so abgehoben, unzugänglich und surreal wie Alejandro Jodorowskys Techno-SF-Welten, aber auch weg von der Trivialität des Star Wars Universums wartet „Orbital“ mit durchaus anspruchsvoller SF in phantasievollem, wahrlich futuristischem Bilder-Gewand auf, die stets schlüssig und „anfassbar“ daher kommt. Die Dialoge sind nachvollziehbar, die Motive der handelnden Personen auch. Typisch menschliche Eigenschaften, wie Machtgier und Hass lassen sich auch bei den Alien-Rassen feststellen, dazu kommen originelle Ideen, wie die der Weltraum Nomaden der Rapakhuns, die sich gerade im Malaysischen Dschungel temporär niedergelassen haben, oder natürlich die Nevronome, ein Volk, das allen anderen Rassen der Föderation ein Buch mit sieben Siegeln ist (wobei wir die Idee mit den lebenden Raumschiffen u.a. schon aus Perry Rhodan kennen). Splitter nummeriert diese vierte Mission Kalebs und Mezokes, entgegen den Originalen bei Dupuis wieder (bis auf Band 1, der die erste Mission quasi als Double Band komplett beinhaltete) als x.1 und x.2. Auf den Abschluss werden wir dann wohl wieder eine ganze Weile warten müssen.

Eine Leseprobe findet sich hier.

Sylvain Runberg, Serge Pellé: Orbital, Band 4.1: Implosion. Splitter Verlag, Bielefeld 2017. 56 Seiten, 14,80 Euro