POWER MAN UND IRON FIST – Vier Fäuste für Manhattan

powerman26ironfist1softcover_softcover_620Was für ein Timing! Gut, dass Panini pünktlich zum Start der Marvel-TV-Serie „Iron Fist“ einen neuen Comic mit eben dieser Figur in die Runde wirft, hat natürlich mit Geschäftstüchtigkeit zu tun. Das eigentlich Geile ist: Während die Fernsehserie eine Bruchlandung hinlegte und nicht nur auf comic.de kräftige Watschen kassierte, kommen Fans hierzulande quasi gleichzeitig in den Genuss eines der charmantesten und vergnüglichsten Superheldencomics des Jahres, das ironischerweise mit Nachdruck vor Augen führt, was bei der Fernsehserie so schrecklich schief gelaufen ist.

Der Plot ist minimal und eigentlich auch gar nicht wirklich wichtig: Die „Helden für Geld“ (im Original „Heroes for Hire“, mehr dazu hier!) sind schon lange Geschichte, Danny Rand, die Iron Fist, hätte das alte Dreamteam zwar gerne wieder, aber Luke Cage, der Power Man, ist mittlerweile sesshaft geworden; er hat mit Jessica Jones Nachwuchs bekommen und die bessere Hälfte ist von der Idee alte Zeiten wieder aufleben zu lassen, alles andere als angetan. Doch Luke stimmt trotzdem zu, einer alten Freundin, Jennie Royce, die ehemalige Sekretärin der beiden, die frisch aus dem Knast kommt, zu helfen, allerdings laufen die Dinge anders als gedacht – nicht nur dass das dynamische Duo sich Ärger mit Verbrecherboss Tombstone einhandelt, auch Gangster-Schwergewicht Black Mariah ist am Start und Jennie wird dank des geheimnisvollen Supersoul-Steins zu einem Furcht erregenden Problem…

5019362-power_man_and_iron_fist_1_preview_3Im Grunde also lediglich wieder das alte Spiel, zwei Superhelden kriegen es mit finsteren Mächten zu tun und ja, man weiß von Seite eins an, wie das alles zu Ende geht. Macht aber nichts. Denn Top-Autor David Walker („Army Of Dr. Moreau“, „Shaft“) nutzt seine Story lediglich als Aufhänger für jede Menge tolle Charakter-Momente und auf dem Cover weist bereits der Titelzusatz hin, wohin die Reise geht, denn bei „Vier Fäuste für Manhattan“ denkt man natürlich sofort an den Bud-Spencer/Terence-Hill-Klassiker „Vier Fäuste für ein Hallelujah“ (Italien, 1971) und richtig, die Grundkonstellation ist ähnlich: Luke Cage ist der wuchtige Brummelkopp und Danny Rand, das drahtige, plappernde Frohgemut mit Sonne im Herzen, der unbedingt mit Luke wieder ein Team sein will, nur will der leider nicht. Und so latschen und fahren die beiden durch die Stadt, knallen sich jede Menge gepfefferte Dialoge ins Gesicht und verkloppen zwischendurch ein paar Böswatze.

5019360-power_man_and_iron_fist_1_preview_1Das ist ein ausgesprochen lockeres, luftiges Vergnügen, vor allem da Walker nicht ausschließlich auf pures Geblödel aus ist, sondern ebenso genüsslich mit Klischees bricht und dadurch im Gegensatz zur TV-Serie, die nur Pappaufsteller anzubieten hatte, dreidimensionale, lebendige Charaktere kreiert, die man schnell ins Herz schließt und denen man somit auch gerne folgt. Da entpuppt sich der Muskel-Hüne Cage – ganz im Gegensatz zu so manch frühere Inkarnation – als totaler Pantoffelheld, dem selbst das so obligatorische Fluchen verboten wurde und Danny ist zwar einerseits ein durchtrainierter Kung-Fu-Fighter mit mystischen Kräften, aber auch ein sentimentales Plappermaul mit Anlage zur Nervensäge. Walker lacht aber nie über seine Figuren, sonder immer mit ihnen, er zeigt auf amüsante Weise auf, dass diese ganzen Superhelden letztendlich nur Menschen mit Schwächen und Fehlern sind. Das betrifft sogar den allmächtigen Dr. Strange, der in einem Gastauftritt einräumt, dass er zur Infobeschaffung keine „mystischen Visionen“, sondern soziale Netzwerke nutzt.

„Power Man und Iron Fist“ macht wirklich unglaublich viel Spaß und das liegt vor allem an den smarten, liebevollen Umgang mit dem Stoff, man freut sich regelrecht mit Danny mit, wenn Luke am Ende auf die permanent gestellte Frage, ob die beiden wieder ein Team sind, ENDLICH, wenn auch mit einem Schuss Resignation, mit „Ja.“ antwortet und ist fast schon ein bisschen traurig, dass die Geschichte damit dann zu Ende ist.

Zwei unglaublich liebenswerte Superhelden, die man furchtbar gerne wieder sehen möchte. Und das möglichst schnell.

David Walker, Sanford Greene, Flaviano: Power Man und Iron Fist 1: Vier Fäuste für Manhattan. Panini, Stuttgart 2017. 116 Seiten, € 14,99