DAREDEVIL / PUNISHER – Männer, die niemals aufgeben

daredevilpunisherdersiebtekreis_softcover_312Marvels Allzweckwaffe Charles Soule scheint auf jeden Fall eine Schwäche für simple, knackige Plots zu haben, so ist „Daredevil: Punisher: Der siebte Kreis“ ähnlich einfach und geradeaus aufgezogen wie „Der Tod von Wolverine“ und mit Sicherheit auch stark vom Clint-Eastwood-Film „Der Mann, der niemals aufgibt“ (1977) oder zumindestens vom dessen Quasi-Remake „16 Blocks“ (2006) beeinflusst: Matt Murdock muss als Daredevil zusammen mit seinem Sidekick Blindspot Gangster Sergey Antonov (kleines Randdetail: es gibt einen russischen Star-Cellisten, der ebenfalls so heißt – womöglich ein kleiner Scherz von Soule) nach Texas überführen. Matt Murdock hatte für die Verlegung gesorgt, da der Verbrecher in New York angeblich keine Chance auf eine faire Verurteilung hat. Doch der Weg zum Flughafen wird kein leichter, denn das Trio gerät ins Visier von Frank Castle, dem Punisher, der nicht gerade bekannt für lange Verhandlungen ist, weiterhin wollen ihnen auch Antonovs Handlanger und eine neue Version des Crimson Dynamo ans Leder…

dare_pun_intDer siebte Kreis“ hat von Anfang an den Fuß auf dem Gaspedal und nimmt ihn nur ganz selten wieder runter, was auch ein klitzekleines bisschen schade ist, denn die simple Handlung hat einen ziemlich interessanten Aspekt: Die Verlagerung von Antonov aus Gründen der größeren Gerechtigkeit ist nur ein Vorwand: In Texas blüht dem Schwerkriminellen die Todesstrafe, Murdock weiß das natürlich und so deutet Castle, der nichts von Daredevils wahrer Identität weiß, nicht ganz unberechtigterweise drauf hin, dass der Unterschied zwischen Anwalt Murdock und dem Punisher verschwindend gering ist, der Anwalt nimmt lediglich den Umweg über eine Jury, der Punisher erledigt die Drecksarbeit gleich selbst; er findet, dass Daredevil letztendlich für einen Killer arbeitet, dessen Auffassung von Gerechtigkeit nicht viel anders ist – Daredevil wiederum ist der Meinung, dass es weder ihm noch dem waffenstarrenden Muskelberg zusteht, Antonov zu bestrafen, deswegen ist der Transport nach Texas durchaus okay, er äußert sich aber auch nicht weiter zu seinem, beziehungsweise Murdocks, moralisch durchaus ambivalenten Handeln.

dare-pun-int2Die Doppelbödigkeit der Geschichte wird leider nicht weiter vertieft, sorgt aber dennoch dafür, dass aus „Daredevil/Punisher: Der siebte Kreis“ mehr als ein simpler Nonstop-Actioner wird, da sich die Fronten während der Geschichte deutlich verschieben – der waffenstarrende Selbstjustizler kommt einem mit seinem Tun plötzlich zumindestens geradeaus und ehrlich vor, der vermeintlich moralisch einwandfreie Held, wird zur undurchsichtigen Figur. Ein Action-Comic mit Kante, nicht übel!

Charles Soule, Reilly Brown, Szymon Kudranski, Mast: Daredevil/Punisher: Der siebte Kreis. Panini, Stuttgart 2017. 132 Seiten, € 16,99