SAMURAI und SAMURAI LEGENDEN– Bildgewaltige Schwertkampf-Abenteuer-Epen der Edelklasse

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samurai1-cvrWer auf das Covermotiv der pompösen ersten Gesamtausgabe von „Samurai“ schaut, denkt beim Anblick des stoisch-coolen Kriegers, der nicht nur ein, sondern gleich zwei Schwerter bei sich trägt, natürlich erstmal an legendäre Manga-Serien wie „Lone Wolf & Cub“ oder diverse Chanbara-Filmklassiker wie „Yojimbo – Der Leibwächter“ (Japan, 1961), doch… huch!… wer auch den Blick zur rechten, oberen Ecke schweifen lässt, entdeckt unter dem blutroten „Samurai“-Schriftzug zwei verdächtig französisch klingende Namen.

Und das ist der große Coup der epischen Serie, die zuvor bei Kult Editionen erschienen ist und von Splitter übernommen wurde. Szenarist Jean-François Di Giorgio fängt zusammen mit seinem Zeichner Frédéric Genêt und der für die Farben verantwortlichen – was für ein Name! – Delphine Rieu den Stoff so unglaublich authentisch ein, dass wohl selbst Comic-Profis nicht unbedingt vermuten würden, dass die Geschichte in Frankreich und nicht in Japan produziert wurde. Das liegt zu Allererst an den wirklich unglaublich beeindruckenden, farbenprächtigen, detailverliebten Zeichnungen, die einen vom Fleck weg in ein mittelalterliches, finsteres Japan entführen, dass bis in die kleinsten Details, wie zum Beispiel den unterschiedlichen Fußbekleidungen, absolut stimmig ist und mit dynamischen, abwechslungsreichen Seitenaufteilungen auftrumpft.

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aus „Samurai Gesamtausgabe 1“

Aber auch die Art des Erzählens passt perfekt. Wer ausgewalzte Action erwartet, wird in die Röhre gucken, denn die Macher halten sich wunderbar an den Rhythmus ihrer Vorbilder, soll heißen: Die Auseinandersetzungen sind brutal und kurz, meist eingeleitet von einer spannungsfördernden Hinführung zur Gewaltexplosion, die oft den Coolness-Faktor des Helden enorm steigert, gerade in Hinblick auf diesen Punkt dürften auch Leser, die mit dem asiatischen Film nicht so sehr vertraut sind, das ein oder andere „Aha“-Erlebnis haben, denn der Samuraifilm übte einen großen Einfluss auf den Italo-Western aus und wenn gleich am Anfang der Held der Geschichte ein Grüppchen Koreanern vor brutalen Schlägern rettet, die Kontrahenten sich gegenüberstehen und in einer raschen Abfolge von kleinen Panels der Griff an die Waffen und vor alle die Augenpartien zu sehen sind, winkt aus der Ferne natürlich ebenso Sergio Leone und seine Dollar-Trilogie (Italien, 1964 – 1966). Der Plot selbst – kurz: der herrenlose Samurai Takeo rettet ein kleines Mädchen und gerät dadurch ins Visier von finsteren Mächten – erfindet das Rad natürlich nicht neu, wird aber erfreulich schnörkellos und spannend durcherzählt und endet mit einem schön gemeinen Cliffhanger, der einen die am 01.06. erscheinende zweite Gesamtausgabe regelrecht herbeilechzen lässt.

samurai_legenden_01_cover_900pxDoch dank der freundlichen Splitter-Truppe muss man nicht allzu viel sabbern, die Jungs und Mädels bieten mit dem ebenfalls erschienen „Samurai Legenden – 1. Furiko“ eine prima Möglichkeit die Wartezeit etwas zu verkürzen. Hierbei handelt es sich um ein Spin-Off, das sich in Form eines Prequels der Vorgeschichte von Furiko, einer der Antagonistinnen aus „Samurai“, widmet. Das Ganze ist deutlicher actionreicher erzählt und wurde mit einem guten Schuss Erotik gewürzt, das eigentlich interessante, beziehungsweise ziemlich gewagte ist aber, dass man es hier mit einer brutalen Killerin als Hauptfigur zu tun hat, die sich auch in einem kurzen Rückblick in unbeschwertere Zeiten nicht unbedingt als gerade zugänglicher Charakter entpuppt.

Das ist etwas schwerer zu schlucken als bei einer konventionellen Herangehensweise, macht gleichzeitig aber auch ganz schön neugierig – man möchte am Ende des Bandes schon gerne noch etwas mehr hinter die Fassade der geheimnisvollen, mörderischen und ziemlich offenherzigen Frau schauen, zumal die technische Seite wieder extrem beeindruckend ist. In einem besonders tollen Panel steht die leicht bekleidete Furiko mit zwei gezückten Schwertern im Mondlicht auf der Dorfstraße – umringt von den soeben von ihr niedergemetzelten Körpern ihrer Gegner! Sicherlich morbide, aber sehr bildstark! Am 01.10. geht es mit Band 2: „Der Tausch“ weiter, man darf gespannt sein. Sehr gespannt.

Eine Leseprobe von „Samurai“ findet sich hier. Eine Leseprobe von „Samurai Legenden“ ist hier zu finden.

Jean-François Di Giorgio, Frédéric Genêt, Delphine Rieau: Samurai – Gesamtausgabe 1 (Band 1-3). Splitter, Bielefeld 2017. 160 Seiten, € 34,80

Jean-François Di Giorgio, Frédéric Genêt, Stéphane Paitreau: Samurai Legenden 1. Furiko. Splitter, Bielefeld 2017. 58 Seiten, € 14,80