CAPTAIN AMERICA: STEVE ROGERS 1 – Captain Hydra

captainamericasteverogers1_softcover_532In den USA sorgte das für einen Aufschrei und für eine Kontroverse, die noch immer anhält: Captain Americas „Heil Hydra“ am Ende des ersten Heftes von Nick Spencers Run. Spencer, der nicht davor zurückschreckt, mit seinen Geschichten auch politisch zu werden und es für ein Totschlagargument hält, dass Leute einfach nur Eskapismus wollen, hat das Undenkbare getan. Er hat Captain America zu einem Nazi gemacht. Auch wenn Marvel sich seit Monaten bemüht, zu erklären, dass Hydra eben nicht mit den Faschisten des Dritten Reichs zu vergleichen ist. Das ist natürlich Quatsch, mit einem Red Skull als Anführer der Organisation und dem Hetzen gegen Minderheiten, das hier von Hydra propagiert wird, kann es gar keine andere Lesart geben.

Schon im ersten Band führt Spencer etwas weiter aus, wie es dazu kam, dass Steve Rogers über Jahrzehnte hinweg die Verkörperung des amerikanischen Traums, aber dennoch ein Schläfer-Agent von Hydra sein konnte. Die Idee ist zumindest clever, weil eine Veränderung der Realität dafür nötig ist. So könnte man argumentieren, dieser Steve Rogers ist nicht der, dessen Abenteuer man seit mehr als 70 Jahren lesen kann. Aber greift das wirklich ganz?

Wohl eher nicht. Diese Geschichte entfaltet sich erst und sie mündet im kommenden Event „Secret Empire“. Danach wird, das kennt man ja von Marvel, ohnehin alles wieder zurückgestellt. Steve Rogers wird eher über kurz als über lang wieder die Lebende Legende sein. Dann aber eine, die auf gewisse Weise beschmutzt ist. Denn der Makel, dass Captain America mal ein Nazi war, wird der Figur nachhängen. Und das sehr viel länger, als es Marvel lieb sein dürfte.

Eine Leseprobe gibt es hier.

Nick Spencer, Jesus Saiz: Captain America: Steve Rogers 1 – Im Zeichen der Hydra. Panini, Stuttgart 2017. 100 Seiten, € 12,99