GHOST REALM 2 – Rückkehr aus der Geisterwelt

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Auf der Flucht vor gewaltbereiten Mitschülern gerät das aus dysfunktionalen Familien stammende Pärchen Elvira und Sam in den geheimnisvollen Laden des verschrobenen Doktor Wang. Hier finden sie ein Tor in das „Ghost Realm“, eine Welt voller geisterhafter Wesen und grotesker Monstrositäten. Nachdem Elvira in die Fänge des sinistren Abbadon gerät, ist es nun an Sam, die Liebste gemeinsam mit seinem knuddeligem Homunkulus-Kumpel Papaya zu befreien und einen Weg zurück in die gar nicht mehr so unattraktive Realität zu finden…

ghostrealm2_miniObwohl „Ghost Realm“, zumindest was den reinen Handlungsverlauf angeht, vor allem reichlich lieb gewonnene Genre-Strukturen bedient, ergeben sich durch die skurillen Designs aus dem nimmermüden Pinsel von Timo Wuerz (ja, war Absicht) herrlich verzerrte Perspektiven auf den psychedelischen Abenteuerurlaub in der gespenstischen Zwischenwelt. Nicht die jugendlichen Protagonisten sind die eigentlichen Stars in „Ghost Realm“, sondern vielmehr die an exzentrische Rockstars erinnernden Gegenspieler wie etwa der in rotes Gefieder gehüllte „Abbadon Happy“ oder natürlich der auf französisch fluchende, zwielichtige „Samedi“. Dabei gibt es wie bereits in der ersten Episode keine klassischen Bildgrenzen durch Panel-Zwischenräume. Nahaufnahmen platziert der Künstler frech direkt auf einer Totalen oder lässt sie stimmig ineinander fließen.

Fließen ist ein gutes Stichwort, denn überhaupt bringen die Wuerzschen Malereien erstaunlich viel Dynamik in die sympathisch-knallige Geistergeschichte und kaum eine Seite kommt ohne schmuckvolle Verwirbelungen oder natürlich auslaufende Pinselstriche aus, die hervorgehobene Dialogszenen in grellweiße Räume verfrachten.

Obwohl Franke genug augenzwinkernden Wortwitz mitbringt, um seine Story stimmig in der klassischen, deutschen Comic-Landschaft zu verankern, weht auch ein Hauch von Hollywood durch die Seiten des mystischen Abschlussbandes. Denn „Ghost Realm“ ist nicht nur in jeder Hinsicht ein vollwertiger und bildgewaltiger Timo Wuerz, sondern auch ein zugänglicher, weitestgehend jugendfreier und vor allem grellbunter Fantasy-Spaß. Das bedeutet nicht, dass der Band nicht über jede Menge Eigenständigkeit und Charme verfügt, sondern dass auch Nachwuchsleser ihren Spaß an „Ghost Realm“ haben werden und vor allem auch haben dürfen. In etwa so, als würde Alice Cooper „Alice im Wunderland“ als All-Ages-Musical inszenieren.

Eine Leseprobe von Band 1 gibt es hier.

Robert Franke, Timo Wuerz: Ghost Realm 2. Popcom, Hamburg 2017. Hardcover, 176 Seiten, 16,00 Euro.