NIGHTHAWK – Stadt in Flammen

nighthawksoftcover_softcover_443Bei der Frage nach der kompliziertesten Historie dürfte wohl der 1969 entstandene Nighthawk ganz oben auf der Liste stehen, denn von dieser Figur entstanden im Laufe der Jahre ganze sechs Varianten!

Hier steht die 2003 von J. Michael Straczynski und Gary Frank entworfene Version im Mittelpunkt: Kyle Richmond, der als Kind mit ansehen musste, wie seinen Eltern von Rassisten getötet wurden und sich ein paar Jahre später dazu entschloss, auf Verbrecherjagd zu gehen, dank eigener Firma und massig Geld, waren kugelsicherer Anzug, sowie ein großes Arsenal an handverlesenen Waffen kein Problem. Assistiert wird er dabei von der ehemaligen Schurkin Tilda Johnson (Deadly Nightshade). Bei „Stadt in Flammen“ handelt es sich um eine „Secret Wars“-Relaunch-Geschichte, das heißt, man braucht nicht unbedingt Vorwissen um ins Geschehen einzusteigen – erzählt wird ein relativ gradliniger Actionthriller mit einem ganz schön finsteren Antihelden im Mittelpunkt, der in einem von Rassenunruhen gebeutelten Chicago nach einem bestialischen Serienkiller sucht.

Wer bei Nighthawk an Batman denkt, liegt richtig, denn der Charakter wurde von Marvel tatsächlich als Variante zu DCs Batman konzipiert, allerdings – und das kommt in diesem Band besonders gut heraus – verkörpert Richmond eher die böse, hart an der Grenze zum Psychopathen agierende Version von Bruce Wayne. Der Mann im Eulen-Kostüm ist sparsam mit Worten, aber großzügig in Punkto Gewalt, Bösewichten wird auch schon mal kurzerhand das Genick gebrochen – der Punisher lässt grüßen. Etwas Leichtigkeit ins finstere Geschehen bringt lediglich Assistentin Tilda mit ihrer zuweilen flapsigen Art, aber grundsätzlich steht „Nighthawk“ mit seinem ernsten, harten Tonfall im total Gegensatz zu David F. Walkers nahezu parallel erschienen „Power Mann und Iron Fist – Vier Fäuste für Manhattan“, wird aber ebenso von Walkers grandiosem Sinn fürs Erzählen getragen: Das Tempo ist hoch, die Handlung zuweilen tatsächlich spannend und die Dialoge gewohnt pointiert und gespickt mit popkulturellen Referenzen. Wer auf Kost der ruppigen Art steht oder wem Batman als Charakter schon immer etwas zu statisch war, sollte zugreifen, denn hier wird’s definitiv ganz schön abgründig!

Eine Leseprobe gibt es hier.

David F. Walker, Ramon Villalobos, Martín Morazzo: Nighthawk. Panini, Stuttgart 2017. 140 Seiten, € 16,99