DIE GOLDGRUBER-CHRONIKEN – hart ist das Künstlerleben!

Wer mit den Werken von Nicolas Mahler in Berührung kommt, wird vermutlich nach einem oberflächlichen Blick erstmal irritiert abwinken und das auch nicht ganz zu Unrecht, denn die hyperminimalistischen Zeichnungen, fies formuliert könnte man auch von Krakeleien sprechen, wirken erstmal ganz schön irritierend und machen nicht unbedingt Lust sich näher damit zu beschäftigen.

Wer dem Ganzen aber eine zweite Chance gibt… sollte den Rest des Tages besser alle Termine absagen – der Österreicher entpuppt sich nämlich als teuflisches Genie mit der Sogwirkung eines Industriestaubsaugers, was vor allem an seinem Talent zur totalen Verdichtung liegt. Seine abstrakten, aber ausdrucksstarken Zeichnungen sind auf das Allerwesentlichste reduziert, ebenso beschränken sich seine Erzählungen auf das absolut Notwendigste, sind gleichzeitig dabei aber so schwungvoll, mit einem dermaßen charmanten, trockenen, rasiermesserscharfen Witz unterfüttert und vor allem so wahnsinnig alltagsnah, dass die Panels schnell lebendig werden und man sich dieser merkwürdigen lang gezogenen Hauptfigur mit der überdimensionierten Nase eng verbunden fühlt.

Das besonders Schöne ist nämlich, dass Mahler in „Die Goldgruber-Chroniken“ zwar einerseits – hauptsächlich – von seinem Dasein als Künstler erzählt, das aber keinesfalls zum Selbstmitleid oder auch zur Selbstüberhöhung nutzt, sondern völlig unprätentiös aus seinem Leben erzählt und dabei ebenso jede Menge Anknüpfpunkte für Leser außerhalb des künstlerischen Metiers anbietet: So werden treffsicher modische Worthülsen wie „Brainstorming“ zum explodieren gebracht oder auch einfach nur inhaltloslose U-Bahngespräche skizziert; zu Mahlers Welt findet jeder Zugang und vermutlich werden nicht wenige beipflichtend kichern, denn der Mann ist ein hervorragender und vor allem präziser Beobachter mit aufrichtigem Interesse an dieser seltsamen Schöpfung namens Mensch.

„Die Goldgruber-Chroniken“ besteht aus den mittlerweile vergriffenen Einzelbänden „Kunsttheorie vs. Frau Goldgruber“, „Die Zumutungen der Moderne“ und „Pornografie und Selbstmord“ – das Paket wurde noch um eine mehrseitige „Nachbemerkung“ ergänzt.

Eine absolut lohnenswerte Anschaffung für Neueinsteiger – aber: Vorsicht! Macht verdammt süchtig!

Nicolas Mahler: Die Goldgruber-Chroniken. Reprodukt, Berlin 2017. 336 Seiten, € 29,–