ETERNUM 2 – Ein kosmischer Sündenfall

Eternum_02_kleinInzwischen ist der „Sarkophag“, jenes vermeintlich außerirdische Artefakt, auf der Erde in Gewahrsam des allmächtigen CEES, des Konsortiums zur Erforschung und Erschließung des Weltalls. Und damit auch sein Inhalt: eine junge Frau von perfekter Schönheit und Anmut, die man passenderweise Eva getauft hat. Da sich ihre Zellen ständig erneuern, wittert der perfide und gewissenlosen CEES-Chef Siderow, dass sich in Eva das Geheimnis des ewigen Lebens verbirgt. Und damit Kohle ohne Ende. Nur leider bringt der Aufenthalt Evas auf der Erde allerlei Unbill mit sich. Zum einen laufen alle Männer, die in der irdischen Basis, in der Eva untersucht und erforscht werden soll, nach und nach Amok. Mord und Vergewaltigungen sind bald an der Tagesordnung, weshalb man Eva verlegen und nur noch von Frauen bewachen lassen will. Aber der Aufruhr ist nur das kleinere Übel. Gleich vier Strahlen unbekannten Ursprungs werden tief im All entdeckt. Jeder mit fast 3.000 Meter Durchmesser und jeder – das ist das Beunruhigende – rast auf die Erde zu. Grund dafür und gleichzeitig ihr Ziel, so scheint es, könnte Eva sein…

Nach den geheimnisvollen Geschehnissen im ersten Band, die noch nicht richtig zuordenbar waren, beginnt „Eternum 2: Die Erbauer“ anfangs erneut mysteriös: in einem Rückblick landet ein Forschungsschiff auf einem Planeten, untersucht vermeintliche außerirdische Bauten von gigantischem Ausmaß und birgt unbekannte Artefakte. Dann schwenkt die Handlung wieder in die Gegenwart – wir schreiben das Jahr 2297 – zurück. Im Mittelpunkt steht zum einen Siderow, ein Unsympath wie aus dem Lehrbuch, der immer mehr zum Krisenmanager werden muss, der selbst von der „Seuche“ betroffen ist (Mord an Freundin inklusive), der aber an Eva festhält, um ihr Geheimnis zu entschlüsseln. Zum anderen verfolgen wir immer wieder Corporal Sanders, der gegen die negativen oder gar tödlichen „Vibes“, die offenbar von Eva ausgehen, immun zu sein scheint. Mehr noch: er fühlt sich sichtlich wohl in ihrer Gegenwart. Und über allem drohen die Strahlen, die nach und nach entdeckt und bald als kosmische Gefahr erkannt werden. Denn Siderow befielt einen tödlichen Selbstversuch, indem er ein Raumschiff mitten in einen Strahl lenken lässt, welches dadurch sogleich pulverisiert wird.

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Da die Reihe (wie auch „Siberia 56“) auf drei Bände angelegt ist, muss Autor Christophe Bec hier schneller zur Sache kommen – wir wissen ja, dass er kein Problem hat, seine Leser über mehrere Alben hinweg zappeln zu lassen (siehe „Prometheus“). Nach dem gekonnten „Anfüttern“ der Leserschaft in Band 1 mit allerlei Unerklärlichem und Mysteriösem, dessen Zusammenhänge noch unklar waren und noch sind, macht Bec hier endgültig sein typisches Mystery-Fass auf und kredenzt damit alle Zutaten, die wir so an ihm schätzen. Bec’sche Quintessenz eben: Rückblenden, die gigantische Architektur, in der sich der Mensch verliert. Mächte jenseits unserer Vorstellung. Gefahren und menschliche Schwächen. Auch traditionell bei Becs Sci-Fi Serien: die Hauptakteure bleiben blass. Der eine – Siderow – ist durch und durch verdorben und auch der andere, Sanders, erfüllt nicht gerade eine Vorbildfunktion. Ansonsten erfahren wir kaum etwas über die Herren. Und Eva? Spricht nicht. Schläft viel. Ist hübsch und attraktiv. Aber harmlos? Wenn man etwas tief im Berg auf einem toten Planeten in einem Sarkophag versteckt, kann das nichts Gutes sein. Aber wir werden sehen, denn alles steuert auf ein apokalyptisches Finale hin.

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Beim Lesen des Bandes drängen sich Parallelen zu Luc Bessons „Das fünfte Element“ auf. Die ähnlichen Artefakte, die eine große Rolle zu spielen scheinen. Das Schicksal der Welt, das von einer außerirdischen Frau (wenn es überhaupt eine ist) abhängt. Dazu kommt die Epidemie, von der nur Männer befallen sind, was in der optischen Präsentation an diverse Zombie Comics erinnert. Das außer Acht ist die Handlung sehr dicht und spannend angelegt. Es gibt Seiten mit etlichen Sprechblasen und damit viel zu lesen. Und natürlich werden längst nicht alle Geheimnisse gelüftet sondern vielmehr noch vertieft: Wer oder was ist Eva? Woher kommen die Strahlen? Warum fühlt sich Sanders zu Eva hingezogen? Optisch liefert Salaün Jaouen („Carthago Adventures“) wieder fantastische Kost. Dominierten im Auftakt noch Neonfarben im Kontrast mit Schwarz, wird es hier bisweilen richtig bunt, obwohl auch hier immer wieder Neontöne die Seiten und Panels – viele davon schwarz umrandet – in atmosphärisches Licht tauchen. Ein wahrhaft realistisch-futuristischer Stil: kräftig mit sanften Kontrasten, wieder sehr opulent, detailreich und farbenfroh. Kommt es nun in Band 3 zum großen Knall oder kann die Erde gerettet werden? Das weiß man bei Christophe Bec nie. Der Countdown läuft schon mal…

Christophe Bec, Salaün Jaouen: Eternum, Band 2: Die Erbauer. Splitter Verlag, Bielefeld 2017, 48 Seiten, 14,80 Euro