WONDER WOMAN – Eine hinreißende Bruchlandung

Frauenpower hin- oder her, es ist schon bemerkenswert, wie schwer man sich in Hollywood getan hat, der Nummer drei der „Big Three“ Ableger außerhalb der Comicseiten zu spendieren. Während es Super- und Batman schon ziemlich schnell nach der Entbindung in die Lichtspielhäuser schafften und im Laufe der kommenden Jahrzehnte in einer schier unendlichen Liste an Kinoproduktionen, TV-Serien oder Animationsfilmen auftraten, dauerte es bei der 1942 erstmals vorgestellten Figur Wonder Woman bis 1967 und selbst hier blieb es bei einem fünfminütige Versuch von William Dozier, Produzent der zwischen 1966 und 1968 entstandenen „Batman“-TV-Serie, Warner von einer „Wonder Woman“-Serie zu überzeugen, der allerdings absolut berechtigt scheiterte; ganz Wagemutige können sich mit eigenen Augen überzeugen – man glaubt es kaum!

In den folgenden Jahren brachte es Diana Prince auf zumindestens eine erfolgreiche und auch heute noch geliebte TV-Serie, aber die Leinwand-Premiere sollte ihr noch lange Zeit verwehrt bleiben und das, obwohl bereits 1996 (!) eine Kino-Adaption angekündigt wurde. Allerdings entwickelte sich das Projekt in den folgenden Jahren erstmal zur Drehtür: Eine Flut vor und hinter der Kamera Kreativer kamen und gingen, bevor man sich 2015 dann endgültig auf die Regie-, Drehbuch- und Darstellerposten einigen konnte.

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Angeteasert wurde der erste Solo-Film mit einem Gast-Auftritt in „Batman v Superman: Dawn Of Justice“ (2016), Film Nummer zwei des bisher rumpelig angelaufenen „DC Extended Universe“, mit dem DC gerne zum Konkurrenten Marvel aufschließen möchte, der mit seinen Comic-Adaptionen seit 2005 nonstop Transporter voller Goldbarren von der Kinokasse nach Hause fährt. Allerdings setzte man der fluffigen Gleichförmigkeit des Konkurrenten von Start ab einen Regisseur vom Kaliber eines Zack Snyder entgegen; immerhin einer der wenigen Big-Budget-Kapitäne mit einer unverkennbaren Handschrift, aber eben auch ein Filmkünstler mit Hang zum riefenstahlesker Optik, Militarismus und Machismo.

Snyder lieferte wie erwartet mit „Man Of Steel“ (2013) und der genannten Fortsetzung zwei bleischwere, finstere Zerstörungsorgien, die finanziell unter den Erwartungen blieben und von Publikum wie Kritik mau bis extrem negativ aufgenommen wurden. Auch der von einer Chaosproduktion geplagte, ebenfalls 2016 veröffentlichte, von Snyder allerdings nur produzierte, „Suicide Squad“ konnte trotz überraschend gutem Einspiel das Ruder nicht so recht rumreißen: DC hatte mit dem „Extended Universe“ das Publikum immer noch nicht so Recht am Haken. Nun also „Wonder Woman“, für den Patty Jenkins, die zuletzt 2003 mit dem Serienkillerdrama „Monster“ auf sich aufmerksam machte, als Regisseurin engagiert wurde, weswegen dem Ganzen natürlich zusätzliche Aufmerksamkeit sicher war, da Frauen so gut wie nie das Ruder bei Big-Budget-Projekten in die Hand nehmen dürfen.

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Nach Ansicht des Films darf man allerdings mit Recht zweifeln, ob sie das denn tatsächlich durfte, denn der erneut von Zack Snyder produzierte Film fühlt sich vor allem dank seiner zeitlupengetränkten Actionsequenzen und dem müde machenden pathos- und CGI-verseuchten Endlosfinale doch sehr stark nach dem umstrittenen Wüstling an.

Obwohl am Ende mal wieder alles in sich zusammenfällt (was allerdings ebenso ein Problem der Marvel-Produktionen ist), bewegt sich DC dieses Mal zumindestens in die richtige Richtung, denn man hat sich über weite Teile von der Grummeligkeit der Vorgänger verabschiedet, biedert sich aber auch nicht an der selbstbesoffenen Klamaukigkeit der Konkurrenz an. Das liegt vor allem an der titelgebenden Figur, die – und hier ist vielleicht am ehesten Jenkins‘ Einfluss spürbar – weniger als Superheld, sondern als Mensch portraitiert wird, als eine Frau, die, mit ihrer Reinheit, ihrer Aufrichtigkeit, ihrem unerschütterlichen Optimismus und ihrer tiefen Anteilnahme an dieser Welt, ihre Superheldenkollegen auf einen Schlag wie ich-bezogene, kleine pubertierende Jungs wirken lässt. Egal, ob Diane Prince mit überquellender Leidenschaft zum ersten Mal ein Eis probiert oder im Alleingang ein Nest mit feindlichen Soldaten in Schutt und Asche legt: Die Frau ist eine absolut selbstlose Überzeugungstäterin und würde bei Problemen garantiert nicht wehleidig grummelnd in irgendeiner Höhle hocken. Das wirkt dank der tollen Darstellung von Gal Gadot, die ihrer Figur Charisma, Stärke und Würde verleiht, absolut ansteckend und reißt sowohl in den humorvollen (es gibt eine Reihe wirklich toller Gags!), als auch in den emotionalen Szenen jederzeit mit.

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Es schmerzt unter diesen Umständen wirklich sehr, dass sich die an sich schöne Comicverfilmung irgendwann dann doch wieder für generisches Allerlei aus dem PC entschließt, der Film sich praktisch selbst das bis dahin so gesund pochende Herz herausreißt, bis zum Exitus lebt sich’s allerdings wie auf Wolken.

Wonder Woman läuft seit dem 15. Juni 2017 im Kino und wurde von Patty Jenkins inszeniert. Mit dabei sind Gal Gadot (als Diana), Chris Pine (als Steve Trevor), Connie Nielsen (als Hippolyta) und Robin Wright als Antiope.

Wonder-Woman-Filmographie:

1967 Wonder Woman: Who’s Afraid of Diana Prince? (Kurzfilm)

1974 Wonder Woman (TV)

1975 – 1979 Wonder Woman (TV-Serie)

2009 Wonder Woman (Animationsfilm)

2011 Wonder Woman (TV, unveröffentlichter Pilotfilm)

2016 Batman v Superman: Dawn Of Justice

2017 Wonder Woman