BARU wird 70

Am Anfang standen Boxer. Das könnte man wohl so lesen, dass Hervé Barulea, der unter der Abkürzung seines Nachnamens („Baru“) als Comic-Autor und -Zeichner seit den frühen 1980ern aktiv ist, es nicht ganz einfach hatte. Er wuchs auf als Sohn einer Bretonin und eines italienischen Einwanderers in Lothringen, der der Familie als einfacher Arbeiter ein Leben in bescheidenen Verhältnissen ermöglichte. Erst nach einer Ausbildung als Sportlehrer entdeckte Baru relativ spät sein Talent als Zeichner.

Er debütierte in den frühen 1980er-Jahren im Magazin „Pilote“ und veröffentlichte 1984 sein erstes Album „Quéquette Blues, Part Ouane“. In der Folge etablierte Baru sich mit Büchern wie „Cours, Camarade“ (dt. „Lauf, Kumpel“, Carlsen 1989) und „Le Chemin de l’Amérique“ (dt. „Der Champion“, Carlsen 1991) als eine der wichtigsten Stimmen des europäischen Comics.

Boxer hatten es ihm zu Beginn seiner Karriere angetan und Außerseiter mit einem Hang zu Gewalt durchziehen sein ganzes Werk, in dem der Alltag im Arbeitermilieu und Rassismus in all seinen Ausprägungen immer wieder thematisiert werden. Nicht selten sind seine Figuren Einwanderer oder Nachkommen von Einwanderern, die Ressentiments ausgesetzt sind.

Das gilt auch für das zwischen 1991 und 1994 für den japanischen Verlag Kodansha entstandene Werk „L‘Autoroute du Soleil“, eine umfangreiche Erzählung, die exemplarisch für sein Schaffen steht. Damit bewies Baru endgültig, dass relevante gesellschaftliche Themen und rasante, unterhaltsame Geschichten auch im Comic wunderbar Hand in Hand gehen.

Ein weiteres zentrales Werk in Barus Schaffen ist „Die Sputnik-Jahre“. Die zunächst in vier Alben erschienene Geschichte erzählt eindrucksvoll von Barus Kindheit in einem lothringischen Industriestädtchen der 1950er. Da sind die Erinnerungen an mitunter brutale Fußballspiele, und zwischen den Kindern der Menschen aus vielen verschiedenen Ländern fließt auch schon mal Blut. Und im Hintergrund spielt sich das Drama vom wirtschaftlichen Niedergang der Region ab, denn nach und nach werden die Hütten geschlossen.

2010 wurde Baru mit dem „Grand Prix de la Ville d’Angoulême“ geehrt, der höchsten Auszeichnung des europäischen Comics.

Baru-Bibliografie (Auswahl)

• 1988 Cours, camarade! – Lauf Kumpel, Carlsen 1989

• 1990 Le chemin de l’Amérique – Der Champion, Carlsen 1991

• 1995 Autoroute du soleil, Carlsen 2007

• 1997 Sur la route encore – Wieder unterwegs, Reprodukt 2013

• 1999 Les années Spoutnik – Die Sputnikjahre, Reprodukt 2012

• 2005 L’Enragé – Wut im Bauch (2 Bände), Edition 52, 2005

• 2008 Noir – Schönes neues Jahr, Edition 52, 2012

• 2009 Pauvres Zhéros – Elende Helden, Edition 52, 2009

• 2010 Fais péter les basses, Bruno! – Hau die Bässe rein, Bruno!, Edition 52, 2011

• 2013 Canicule – Bleierne Hitze, Edition 52, 2013