EMPRESS – Eine Mama kämpft um ihre Kinder

Wer Mark Millar als finsteren Zyniker mit Hang zu Schauwerten der ganz groben Art abgelegt hat, wird in letzter Zeit nicht schlecht gestaunt haben, denn der Autorenpapst hat den Kurs etwas modifiziert und mit „Chrononauts“ und vor allem „Starlight – Die Rückkehr des Duke McQueen“ Unterhaltung der eher freundlicheren Art abgeliefert; zwar ebenfalls actionreich, aber auch humorvoll und – gerade für millersche Verhältnisse – eher leicht; Storys, die einen mit einem guten Gefühl wieder in den Alltag entlassen. Laut Millar hat das mit einem gesellschaftlichen Umschwung zu tun, der sich eben auch in der Unterhaltungsindustrie widerspiegelt: 10 Jahre nach den großen, folgenschweren Bankencrashs sehen wir wieder optimistischer nach vorne. Ob das jetzt so zutrifft, sei mal dahingestellt, es ist aber durchaus erfreulich, dass Comics und natürlich deren obligatorische Verfilmungen auch öfter mal wieder einfach nur Spaß machen dürfte, so feierte Iron Fist eine unglaublich charmantes, sehr lustiges Quasi-Comeback und im Kino hat DC dieses Jahr mit „Wonder Woman“ endlich begriffen, dass es jetzt genug bleischwere, zappendustere Superhelden-Epen gibt.

Womit wir bei „Empress“ wären. Die Handlung ist schnell erzählt: Königin Emporia flieht zusammen mit ihrem treuen Leibwächter Captain Havelok und ihren beiden Kindern vor ihrem Ehemann, dem ultrabrutalen König Morax, der mit eiserner Faust über eine urzeitliche Hightech-Zivilisation herrscht, quer durch die Galaxie und muss auf der Suche nach einem friedlicheren Leben so manchen Gefahren trotzen.

Bei „Empress“ handelt sich um eine schön poppig gezeichnete, klassische Space-Opera, mit Liebe, Streitereien, bösen Monstern, Cliffhangern und so weiter und so fort, die wie aus den Spätsiebzigern/Frühachzigern herübergepurzelt wirkt, was aber, da dankenswerterweise Weise auf affige Insider-Jokes verzichtet wird, trotz heftigem Oldschool-Vibe nie anbiedernd, sondern schlichtweg charmant wirkt, zumal die Figuren zwar – zumindestens im ersten Band – simpel, aber angenehm erdig charakterisiert werden, der Zugang ist sofort da.

Es ist kaum zu glauben, dass „Empress“ vom gleichen Autor kommt, der auch so böse Geschosse wie „Wanted“ oder „Old Man Logan“ zu verantworten hat – offenbar macht sich so langsam die Altersmilde bemerkbar, was aber ebenfalls seinen unleugbaren Reiz hat, wie man mit diesem Band nun erneut anschaulich vorgeführt bekommt!

Mark Millar, Stuart Immonen: Empress. Panini, Stuttgart 2017. 200 Seiten, € 19,99