STORM: DIE CHRONIKEN VON ROTHAAR 3 – Zombies überrennen die tiefe Welt!

Gerade erst der prekären Situation im fünften Turm entronnen, machen sich Rothaar und ihr Begleiter Kiley wieder auf den Weg, um ihre kostbare Fracht – den Prinzen Nerlin – zu seinem Vater zurück zu bringen und dafür eine fette Belohnung einzuheimsen. Unversehens finden sie sich allerdings in einer Großwildjagd wieder, als zwei gedrungene Jünglinge einen entflohenen Varku wieder einfangen wollen und Rothaar dabei zu Hilfe eilt. Die beiden Jungs stellen sich daraufhin als Kajn und Aabel vor und führen das staunende Trio nach Brogard, wo ihre Anführerin Noorach eine Art Zoo unterhält.

In diversen Visionen, so erklärt die Dame, hat sie eine „Verschwemmung“ gesehen, die die tiefe Welt hinwegfegen wird. Nur eine Arche kann da helfen, und die hat Noorach praktischerweise in der Hinterhand. Der vorwitzige Nerlin allerdings bringt alles durcheinander: er kommt einem Wasari zu nahe, der gerade Nachwuchs bekommt, und wird von dem Tier schwer verletzt, und auch der eingreifende Kajn erleidet heftige Bisswunden. Einzige Rettung: eine spezielle Medizin. Einziger Haken: die ist nur in der Arche zu finden, die im Tal der Untoten liegt, das von einem schweren Tor abgeschirmt wird. Todesmutig stürzen sich Rothaar, Kiley und Aabel – notdürftig geschützt von einem „Schanzer“, einer kleinen rollenden Festung – zwischen die geifernden Zombies. Man schafft es tatsächlich, die offenkundig aus dem entlegenen Hochtechnologiezeitalter entstammende Arche zu erreichen – und staunt nicht schlecht, als der Kapitän des Schiffs zum Leben erwacht und die Hintergründe der Zombieplage erklärt, während die Untoten draußen immer heftiger anstürmen…

Geradezu biblisch gehen es Rob van Bavel (seit Episode 2 an Bord) und Romano Molenaar in der dritten Folge dieses Spin-Off aus dem Storm-Universum an. Storms spätere Freundin Rothaar findet sich hier unversehens in einem alttestamentarischen Kampf wieder: wie der biblische Archenbauer hat auch Noorach Visionen einer Sintflut (durchaus zu Recht, wird das tiefe Land doch im ersten Storm-Band in der Tat überflutet) und will zwei Exemplare jeder Spezies auf ein Schiff packen, unterstützt von den affenartigen Knaben, die an die ersten Zankhähne der biblischen Menschheitsgeschichte erinnern. Nachdem die Arche in Form eines U-Bootes in der tiefen Welt bereit liegt, tritt die für Storm und Trigan typische anachronistische Melange von Fantasy-Action und untergegangener Hochzivilisation (das Waffenarsenal des U-Bootes funktioniert noch prächtig) somit in den Mittelpunkt, nachdem sich Rothaar und ihre Mitstreiter mit einem fast schon mittelalterlich anmutenden Minipanzer zum Herumtragen mehr schlecht als recht durchschlagen müssen (Anekdote am Rande: van Bavel bastelte sich wohl ein kleines Modell aus Pappe, um ein möglichst realitätsgetreues Fuhrwerk zu beschreiben).

Das Motiv der Untoten hingegen stellt eine kaum kaschierte Hommage an „The Walking Dead“ dar, wobei van Bavel eine spannende Variante entwickelt – die agilen, blitzschnellen Zombies (die eher in der Tradition von World War Z stehen als andere herumschlurfende Exemplare) sind nichts anderes als das Ergebnis wagemutiger Experimente aus den vergessenen Epochen. Romano Molenaar lehnt seine Zeichnungen bekanntlich gerne an reale Figuren an, und auch hier finden sich kleine Seitenhiebe: Noorach wirkt wie eine Mischung aus dem drallen amerikanischen Reality-TV-„Star“ Beth Chapman (Glanzlicht der Fernsehgeschichte: „Dog the Bounty Hunter“) und der auch nicht gerade klapprigen englischen Chanteuse Adele – im Ergebnis eine sympathische, handfeste Frauenfigur, mit der man gerne auf Seefahrt gehen würde. Blickfang ist und bleibt aber natürlich unsere Titelheldin, die Bauch/Beine/Po-Trainer Molenaar in allerlei reizvollen Posen präsentiert (gleich am Anfang gibt’s eine feine Duschszene im Wasserfall, und im Kampf wird Rothaars Pracht bisweilen rein zufällig entblößt, wie es die Tradition eben will), die wir dann auch noch in einer reichhaltigen Skizzen- und Covergalerie studieren dürfen. Das ist sicherlich mehr „Witchblade“ als Don Lawrence – aber schwungvoll ist es in jedem Falle.

Versehen mit einem veritablen Twist am Ende, liefert auch Band 3 der Rothaar-Reihe so mehr als vergnügliche Unterhaltung. Jetzt müssen Bavel und Molenaar aber erst Band 30 der Storm-Serie fabrizieren, für den bereits der Titel „Der Henker von Torkien“ feststeht. Danach dürfen wir uns sicherlich auf weitere Eskapaden mit der roten Lola freuen.

Rob van Bavel, Roman Molenaar: Storm – Die Chroniken von Rothaar 3: Die Arche Noorach. Splitter, Bielefeld 2017. 64 Seiten, € 15,80