LUCKY LUKE oder: Hinter manchem Morris steckt ein Mennigen

Seit 1978 schrieb der Schriftsteller und Comicautor Peter Mennigen zunächst deutsche Geschichten für Comicreihen wie „Gespenster Geschichten“, „Spuk Geschichten“, „Conny“, „Biggi“, „Vanessa“, „Felix“, „Lasso“, „Phantom“, „Axel F.“ und zahlreiche weitere Serien des Bastei Verlags. Ab den 90er Jahren arbeitete er für andere Verlage wie Egmont (Disney-Magazine), Panini (Jessy, Sternentänzer, Willi will‘s wissen) und Ravensburger (u.a. Fix und Foxi). In dieser Zeit verfasste er auch internationale Comics: „Lucky Luke“, „Schlümpfe“, „Bessy“ und „Isnogud“. Aktuell arbeitet er zusammen mit Ingo Römling an der Mystery-Steampunk-Serie „Malcolm Max“. Für comic.de blickt er in unregelmäßigen Abständen zurück auf seine Arbeit im deutschen Comicverlagsgeschäft.

In der 46. Ausgabe von „Bastei Freunde“ veröffentlicht Thomas Opitz neue Erkenntnisse seiner Recherchen bezüglich meiner fünfzehn Lucky Luke Hefte, die ich vom Mai 1993 bis Juli 1994 für Bastei schrieb. Schwerpunkthema sind dabei die internationalen Veröffentlichungen meiner Geschichten als Hefte und Alben in halb Europa. Wobei zumeist Morris als Verfasser genannt wird. Lediglich in den deutschen und französischen Publikationen steht korrekterweise mein Name als Autor.

Bei den Vertragsverhandlungen mit Bastei bestand Morris zunächst darauf, dass jemand aus seinem Studio die Lucky Luke Szenarios für Bastei schreiben sollte. Damals waren deutsche Comic-Autoren in Frankreich vollkommen unbekannt, weshalb er keinem eine solche Aufgabe zutraute.
Bastei wiederum traute den Franzosen und Belgiern nicht zu, die Menge an benötigten Geschichten termingerecht für eine monatliche Veröffentlichung zu liefern. Man einigte sich darauf, dass ich zur Probe die Exposés für das erste Heft schrieb. Diese wurden ins Französische übersetzt und Morris zur Genehmigung vorgelegt. Nach einem positiven Feedback setzte ich mich an die Ausarbeitung der Skripte und der Sprechblasentexte. Beides wurde dann wieder in übersetzter Fassung zur Prüfung an Morris geschickt. Nach diesem Prozedere verfuhr man bei allen Lucky Luke Heften. Erfreulicherweise lehnte Morris keine meiner Geschichten ab und verlangte auch niemals eine Korrektur.

Ich selbst hatte keinen direkten Kontakt mit Morris. Alles lief über die Bastei Redakteurin Marion Strothteicher und die Agentur Fuchs in Stuttgart (die die Lizenzvergaben von Lucky Luke in Deutschland regelte).
Laut Bastei äußerte Morris sich zwei Mal zu meinen Geschichten. Beim ersten Mal konnte er nicht glauben, dass nur ein Autor komplett alle Storys Monat für Monat schrieb. Beim zweiten Mal äußerte er sich positiv über meine Geschichten.
Lucky Luke schreiben zu dürfen gehört für mich zu den Highlights in meiner Vita. Nicht nur weil meine Storys international veröffentlicht wurden, sondern auch dass alle meine Geschichten offiziell von Morris autorisiert sind.