Millarworld vernetflixt!

Wenn die Sprache auf diese ganzen Internet-Potentanten wie zum Beispiel Reed Hastings und Ted Sarandos (Netflix) kommt, seh ich vor meinem inneren Auge immer einen erloschenen Vulkan, in dem die ganze Rasselbande an einem runden Mahagonitisch hockt und den nächsten Schritt zur Weltherrschaft plant, während eine Armada von Mitarbeitern Tag und Nacht eine Wand aus Monitoren überprüft. Nur wird hier vermutlich kein martinisaufender Agent reinschneien und alles in die Luft sprengen, nein, diese Geschichte hat kein Happy End…

Ekliger Kulturpessimismus von einem alten Sack? Mag sein, allerdings scheint der Konzern Netflix mit Schmackes alles andere vom Markt wegfegen zu wollen – zwecks Vermeidung teurer Lizenzen, wird das Angebot seit Jahren sukzessive ausgedünnt und auf Eigenbau in Sachen Serie und Spielfilm gesetzt, nun starten die Netflixler einen Großangriff im Comic-Segment:

Um sich auch Unabhängigkeit von Disney zu schaffen, deren Marvel-Produktionen („Jessica Jones“, „Luke Cage“, „Daredevil“, „Iron Fist“) zwar hervorragend bei der Netflix-Kundschaft ankommen, allerdings auch ein rundes Sümmchen Lizenzgebühren kosten (man munkelt von 300 Millionen Dollar jährlich), wurde Mark Millars Verlag Millarworld (die Heimat von unter anderem „The Unfunnies“, „Chosen“, „Wanted“) eingetütet (wobei „Kingsman“ und „Kick-Ass“ allerdings nicht zum Deal gehören).

Netflix will in den nächsten Jahren die Backlist des Verlags zu Filme, Serien und Kindersendungen verwursten, aber auch neues Material produzieren lassen; heißt also: Die ohnehin schon kaum mehr zu überblickende Flut an Comic-Adaptionen wird in Zukunft noch größer – der Überdruss lässt nicht mehr lange auf sich warten…