GREEN ARROW MEGABAND 1 – Oliver Queen wird ruiniert…

Seltsame Dinge gehen von in Seattle: immer wieder verschwinden Obdachlose, verlorene Seelen nach denen niemand fragt, von der Hand der alptraumhaften Untergrundleute. Als Oliver Queen, die ehemalige Punksängerin Dinah Lance und Olivers Halbschwester Emiko der Sache nachgehen, muss Ollie feststellen, dass die Spur direkt zu ihm führt: die Unglückseligen werden in Containern von Queen Industries verschickt. Gemeinsam mit seiner Sekretärin Wendy forscht er nach und entdeckt ein Netz von Scheinfirmen, Schattenkonten und abseitigen Tätigkeiten.

Die schockierende Wahrheit: sein ehemaliger Mentor und Geschäftsführer Cyrus Broderick hat die Firma von Olivers Vater in eine Front für das ultimative, organisierte Verbrechen verwandelt. Genauer gesagt als Abteilung für die internationale Lumpenbande namens „Der neunte Zirkel“, die als pervertierte Großbank finster Projekte aller Art finanziert und an Leid und Krieg verdient. Auf ihrer schwimmenden Basis, der „Inferno“, funktionieren die Fieslinge zudem die entführten Namenlosen in treue Gefolgsleute, die „Verbrannten“. Weil Ollie dieser Verschwörung allzu nahe kommt, zerstört Broderick kurzerhand seine gesamte Existenz: sein Vermögen wird eingezogen, sein Haus gesprengt, man verbreitet Gerüchte um Unterschlagung, und niemand anders als Emiko sorgt mit ihrer Mutter, der Assassine Shado, dafür, dass Oliver tatsächlich wie tot über Bord einer Yacht geht. Aber da haben sie die Rechnung ohne Dinah gemacht – und ohne John Diggle, der seinen Groll gegen Oliver vergisst, um ihn zu rächen. Gemeinsam schlagen sie zurück – nur, um wieder auf einer einsamen Insel zu landen, auf der sich Olivers Schicksal zu wiederholen scheint…

Autor Benjamin Percy hat so einiges im sprichwörtlichen Köcher, als er sich daran macht, den guten alten grünen Pfeil aus den Wirrungen der diversen Neulaunches per Rebirth zurück zur allgemein bekannten Historie des Charakters zu führen. Die nämlich ist tief verwurzelt in den Geschichten von Mike Grell, der Ollie in den 80er Jahren zum grimmen „Longbow Hunter“ machte, komplett mit charakteristischer Kapuze, die damals das Robin Hood-Hütchen ersetzte. Ollies kapitalismuskritische, anarchistische, soziale Ader wiederum reicht zurück bis Anfang der 70er, als Denny O’Neill und Neal Adams den grünen Pfeil gemeinsam mit Black Canary und Green Lantern als hard travelling heroes die dunkle Seite des amerikanischen Traums kennen lernen ließen. Diese Fäden also müssen hier zusammengefügt werden mit den Storybögen von Jeff Lemire, der Ollie mit Emiko eine Halbschwester zur Seite stellte, die sein Vater Robert gemeinsam mit der Yakuza-Ninja Shado in die Welt gesetzt hatte.

Auch wenn der Bogen somit weit gespannt werden muss (so, jetzt reicht es mit den Arrow-Scherzen), springt Percy doch ein wenig arg kurz, wenn er in seinem Epos um den Neunten Zirkel eine kaum kaschierte Kopie der brillanten „Born Again“-Geschichte liefert, in der der Kingpin einen gewissen Matt Murdock sozial und finanziell vollständig ruiniert, um ihn zu brechen – bis hin zu den nahezu identischen Szenen des in Flammen aufgehenden Wohnhauses oder des gewaltsamen Ablebens, das man wie einen Selbstmord im Drogen- und Alkoholrausch aussehen lassen will. Musste schon Daredevil somit durchs Fegefeuer zur Erlösung, so darf Ollie nun in Dantes Göttlicher Komödie ebenso durchs Purgatorio – ein wenig mehr Originalität wäre da angenehm gewesen, zumal die Shado/Emiko-Komponente durch einen kleinen Ausflug nach Tokyo flugs aus der Welt geschafft wird.

Etwas innovativer wirkt da schon der zweite Handlungsbogen um die Narbeninsel, auf der ein doch eigentlich unbescholtenes Volk vom Neunten Zirkel korrumpiert wurde (wobei auch diese Szenen teilweise wirken wie „The Beach“ mit kostümierten Helden). Richtig schmackig wird es dann in den letzten beiden Kapiteln, in denen sich Diggle, Dinah und Ollie an Bord des Untersee-Zugs Empire Express einen rasanten Kampf mit dem Söldner Edward Fyers liefern, der natürlich auch Diensten des Neunten Zirkels steht. Hier ergibt sich jede Menge klaustrophobische Action, die schmissig und bunt daherkommt. Ein wenig tumb dagegen die platte Kapitalismus-Schelte, in der das organisierte Verbrechen seine natürliche Inkarnation als Bank einnimmt – genau, weil alle Banken nichts anderes als das Ende der Welt im Sinne haben (und die Chefs verbrannte Hackfressen sind, die vermutlich dabei ausschließlich Diesel fahren). Inszeniert wird das Geschehen von Otto Schmidt flott, leicht stilisiert und kantig, während im weiteren Verlauf Juan Ferreyra einen etwas cartoonhafteren Stil liefert.

Der vorliegende, wahrlich fette Band bringt auf über 270 Seiten die US-Ausgaben Green Arrow: Rebirth 1 und Green Arrow 1-11, die von August 2016 bis Januar 2017 erschienen. Für Freunde der TV-Serie, die einsteigen wollen, sicherlich ein guter Startpunkt – für Fans des Grünen Pfeils gibt es aber wohl besseres Material.

Hier gibt es eine Leseprobe.

Benjamin Percy, Otto Schmidt, Juan Ferreyra, Stephen Byrne: Green Arrow Megaband 1: Der neunte Zirkel. Panini, Stuttgart 2017. 276 Seiten, 26,– EUR