ASTERIX IN ITALIEN: Zwei Gallier geben Vollgas!

Alle Wege führen nach Rom? Stimmt! Nur sind diese im Laufe der Jahre ganz schön holprig geworden, denn die Infrastruktur des Imperiums ist dank der andauernden Zweckentfremdung staatlicher Instandhaltungsmittel ganz schön marode. Der verantwortliche Senator Lactus Bifidus steht für diese Schräglage in der Kritik und hat deswegen eine Idee: Ein großes Wagenrennen durch das ganze Land soll nicht nur den Zusammenhalt aller „italienischen“ Völker stärken, sondern weiterhin den einwandfreien Zustand der Straßen beweisen. An der Ablenkungsaktion dürfen Fahrer der ganzen Welt teilnehmen, Barbaren inklusive. Cäsar fordert von Bifidus allerdings, dass unbedingt das römische Gespann durch die Ziellinie gehen muss! Doch natürlich erreicht die Nachricht vom Wettbewerb das dynamische Duo und zwar genau an dem Tag als Obelix sich durch die Prophezeiung einer Handleserin zum Kauf eines Rennwagens verleiten lässt, der in Raten von zehn Mal acht Hinkelsteine abgezahlt wird. Nach einer kurzen Beratung bei Dorfchef Majestix ist die Sache geritzt: Asterix und Obelix nehmen am Rennen teil und der frischgebackene Wagenbesitzer darf den Wagen lenken, womit dem gemütlichen Dicken dieses Mal ein etwas aktiverer Part als sonst zukommt (worauf gleich zu Anfang in einem Meta-Kommentar hingewiesen wird: „Warum muss immer Asterix die Hauptrolle spielen?“).

Es ist schon erstaunlich: So richtig hatten wohl selbst die eingefleischtesten Fans nicht damit gerechnet, dass sich die legendäre Reihe um den kleinen Gallier und seinen allerbesten Freund noch mal fängt. Nach dem völlig überraschenden Tod des außerdem für den Kult-Cowboy Lucky Luke verantwortlichen Autoren René Goscinny während eines Belastungs-EKGs 1977 ging es stetig bergab, denn Zeichner Albert Uderzo wollte – im Gegensatz etwa zu Luke-Erfinder Morris, der sich durchaus bewusst war, dass er ein guter Zeichner, aber eben kein guter Erzähler ist und schon bald mit neuen Autoren arbeitete – die Reihe nicht aus der Hand geben und kümmerte sich fortan ebenso um den Inhalt. Das mündete 2005 in einen absoluten Tiefpunkt, der offenbar auch am deutschen Übersetzer Klaus Jöken nicht vorbeiging, weswegen aus dem Originaltitel von Band 33 „Le ciel lui tombe sur la tête“ (dt. „Der Himmel fällt ihnen auf den Kopf“) das doppeldeutige „Gallien in Gefahr“ wurde. 2013 reichte man den Staffelstab dann endlich weiter und zwar an Jean-Yves Ferri (Text) und Didier Conrad (Zeichnungen), die mit „Asterix bei den Pikten“ ein etwas zögerliches, noch nicht auf allen Ebenen geglücktes, Abenteuer vorlegten, allerdings erkennen ließen, dass man sich in Sachen Sprachwitz und Humor deutlich von Uderzos oftmals arg brachialen Klamauk abgrenzen will. 2015 erlebte die Serie mit „Der Papyrus des Cäsar“ dann tatsächlich endlich wieder ein Highlight, ein gekonnter und dabei wirklich komischer Spagat zwischen Alt und Neu, exakt die Frischzellenkur, die so dringend nötig war.

Nun also Band 37, „Asterix in Italien“, und die frohe Botschaft: Nein, kein blindes Huhn, das zufälligerweise mal ein Korn gepickt hat, das Duo behält den Kurs bei und erfreut mit einem temporeichen Auslandsabenteuer, das gleichfalls als trockene Satire auf den Automobilrennsport-Zirkus verstanden werden kann, von fiesen Manipulatoren (natürlich Südgermanen, weil die sich mit der Wagentechnik besonders gut auskennen) bis hin zu dubiosen Vermarktungstechniken (Obelix muss unbewusst als Werbeträger eines Produkts herhalten, das er eigentlich gar nicht mag) verteilt Ferri kleine Spitzen, vergisst dabei aber (gelungene) Varianten der traditionellen Gags nicht und setzt gelegentlich auch einfach auf knallige Situationskomik – in einer besonders schönen Szene, die hier nicht vorweggenommen werden soll, wird auf verblüffend schlichte Weise ein Vulkanausbruch verhindert – wirklich sehr lustig!

Der einzige kleine Dämpfer: Im Zuge des Rennens werden natürlich eine Reihe interessanter neuer Charaktere, wie zum Beispiel die Prinzessinnen Etepetete und Rakete, eingeführt, anderseits werden die üblichen 46 Seiten beibehalten, weswegen sich „Asterix in Italien“ etwas arg voll anfühlt. Gerne hätte man die eine oder andere Figur noch ein wenig näher kennengelernt. Aber das ist Jammern auf hinkelsteinhohem Niveau – alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei und das trifft hier mal wieder mehr als zu: Man kann nun wohl mit Fug und Recht endgültig attestieren: Asterix und Obelix sind wieder da!

Abb.: Cover Asterix Band 37 Asterix in Italien Asterix® – Obelix® – Idefix ® / © 2017 Les Éditions Albert René 

Didier Conrad, Jean-Yves Ferri: Asterix in Italien (Band 37). Egmont Ehapa.48 Seiten, € 6,90 (Softcover) / € 12 (Hardcover)