Finster, Finsterer, MOON KNIGHT

1975 führte Autor Doug Moench zusammen mit seinem Zeichner Don Perlin Moon Knight ein; zunächst als Bösewicht, der aber aufgrund der Beliebtheit der Figur zum Antihelden Phil Spector ummodelliert wurde. Die Figur hatte im Laufe der Jahrzehnte mehrere Serien, verschwand aber wie manch anderer Kollege irgendwann in der Versenkung, nur um 2006 ein furioses Comeback zu erleben, das vom gerade frischgebackenen Schriftsteller Charlie Huston geschrieben und von David Finch (Wonder Woman – Göttin des Krieges) gezeichnet wurde und sich keinesfalls hinter dem 2016 erfolgten Relaunch von Jeff Lemire und Greg Smallwood verstecken braucht.

Charlie Huston ist sicher eine perfekte Wahl, wenn es um Antihelden geht, denn der Autor hat ein sehr feines Händchen für abseitige Figuren. Wer von Huston bisher allerdings nur seine – absolut empfehlenswerte – Hank-Thompson-Trilogie oder die ebenso geniale fünfteilige Reihe um Vampir-Detektiv Joe Pitt kennt, wird von „Wächter der Nacht“ vermutlich überrascht sein, denn der trockene Witz weicht hier bitterem Ernst. Sicher, die Comic-Historie ist voll mit Geschichten, deren Helden am Boden sind, aber Hustons Spector ist schlichtweg einfach mal völlig und total am Arsch: Er sitzt im Rollstuhl, ist pillenabhängig und wird von Depressionen und Wahnvorstellungen geplagt. Natürlich der ideale Zeitpunkt für seine Gegner ihm endgültig den Garaus zu machen, zu diesem Zweck wird Söldner Taskmaster auf ihn angesetzt…

Es ist wohl kaum gespoilert, wenn man verrät, dass Spector am Ende als Sieger dasteht, aber der Weg dahin ist lang, steinig, zappenduster, gespickt mit deftigen Splatter-Einlagen und wird in knappen, geschliffenen Dialogen erzählt, die von Finch mit stimmungsvollen, oft in kühles Graublau getunkten Bilder ausgestattet werden, wobei die Figuren teilweise vielleicht etwas arg bullig ausfallen, gerade Knight ist ein echter Muskelhüne, bei dessen Anblick man sich beim Lesen regelrecht schämt, dass das eigene Sixpack nur im Kühlschrank steht. Tauschen möchte man aber dennoch nicht, denn Huston verpasst seiner Figur auch einen Charakterzug, der ihn deutlich von anderen Superhelden, vor allem natürlich von Batman, abgrenzt: Spector macht das Auseinandernehmen von bösen Jungs nämlich durchaus Spaß, was ihn zu einem ganz schön ambivalenten und leicht psychotischen Helden macht, aber die sind ja bekanntlich immer die Interessantesten.

Eine Leseprobe gibt es hier.

Charlie Huston, David Finch: Moon Knight – Wächter der Nacht. Panini, Stuttgart 2017. 156 Seiten, € 16,99