OFFICER DOWNE – Wenn Heavy-Metal-Musikanten zur Kamera greifen….

Ein Nachteil des Booms an Comic-Verfilmungen ist, dass, in der Hoffnung den einen oder anderen Dollar zu machen, jetzt jeder noch so unbedeutende Pups auf die Leinwand oder in den Heimkinomarkt (die Grenzen sind ja mittlerweile fließend) weht. Bei „Officer Downe“ handelt es sich um die Adaption eines „One Shots“ von 2010; geschrieben von Joe Casey („Nixons Pals“) und zugegebenermaßen durchaus ansprechend von Chris Burnham („Nameless“) gezeichnet. Inhaltlich geht es um einen ultraharten, quasi unsterblichen Cop, der… na ja, allerhand Bösewichte plattmacht. Das war’s dann auch schon.

aus dem Comic von Casey & Burnham

Wer jetzt an Judge Dredd oder Filme wie „Robocop“ (1987) oder die „Maniac Cop“-Reihe (1988-1993) denkt, liegt nicht verkehrt, das Ganze ist eine Hommage an die „gute alte Zeit“; also etwas, was wir in den letzten Jahre schon dutzende Male hatten, ich sag nur „Grindhouse“. Was aber Casey, der immerhin – natürlich schön verpackt – zugibt, dass sein Comic in erster Linie auf „Ich-hatte-da-so-ne-Idee“ basiert und inhaltlich schon sehr dünn ist, nicht verinnerlicht hat: Die genannten Titel haben nie ausschließlich von Grenzüberschreitung gelebt: Die „Dredd“-Comics sind ebenso beißende Satire und schlaue Science-Fiction (aktueller, sehr lesenswerten Artikel dazu!), das Gleiche gilt für „Robocop“ und selbst eine B-Movie-Franchise wie „Maniac Cop“ setzt auf scharfen Witz, Spannungsaufbau und gibt zudem seiner Hauptfigur eine tragische Backstory mit auf den Weg, um den grotesken Titelcharakter vor der kompletten Irrelevanz zu bewahren.

Caseys Geschichte hat allerdings ist gar nichts von alledem, sondern kreist lediglich um ihren spätpubertären Horizont, Hauptsache „voll drüber“, immer alle Pegel auf Anschlag: Es geht um eine „coolen“ Helden, möglichst viel „bad language“ und möglichst viele, möglichst blutige Splatterszenen, was natürlich im Leser keinerlei emotionalen Resonanzkörper findet, weil einfach völlig egal ist, wer sich weshalb gerade niedermetzelt.

Nun sind aber gerade Comicverfilmungen schwer „en vogue“ und „Crank“-Macher Mark Neveldine, dessen Output (meist in Zusammenarbeit mit Brian Taylor) irgendwann vor langer Zeit ernsthaft als „Avantgarde“ abgefeiert wurde, aber größtenteils eben ein Musterbeispiel für „voll drüber, aber eigentlich scheißegal“ ist, hat da wohl einen schnellen Dollar gewittert, war sich aber offenbar bewusst, dass so ne läppische Story mit ein paar Goreszenen wohl nicht genug sein wird, um die Kiste gewinnbringend an den Mann zu bringen.

Aber Gott sei Dank wollte Slipknot-Co-Gründer Shawn Crahan ja schon immer mal einen Film drehen, denn was Rob Zombie (der mit „31“ letztes Jahr die Hosen nun endgültig bis zum Mittelpunkt der Erde runtergelassen hat) kann, kann ein Crahan auch und mit einem millionenschweren Bandnamen im Hintergrund verkauft sich die Jauche doch eh automatisch! Und siehe da! Der Slipknot-Onkel inszeniert sogar noch einen Tick beschissener als der Zombie-Zottel: Wackelkamera, ein Overkill von Mätzchen wie Linsenreflektionen, Geschwindigkeitswechseln oder willkürlich rein gedonnerten Kreisfahrten lassen den Film in Kombination mit einem chaotischen Schnitt schon nach wenigen Minuten zur Geduldsprobe werden. Leider kann auch der Inhalt nichts reißen: Casey, der seinen Comic höchstpersönlich zum 90-Minuten-Drehbuch hochgeprügelt hat, ist nichts, aber auch gar nichts eingefallen, was auch nur irgendwie echtes Interesse erzeugen könnte: „Officer Downe“ als Spielfilmfassung heißt lediglich: Noch mehr „bad language“, noch mehr Splatter, alles abgeschmeckt mit einer Prise Bonus-Misogynie.

Crahans Film fühlt sich an wie ein ADHS-geplagtes Kind, das wild mit Kacke um sich wirft und mit leuchtenden Augen hofft, dass irgendjemand reagiert – erfahrene Pädagogen empfehlen: Einfach ignorieren, wird schon.

Officer Downe. USA 2016. Regie: Shawn Crahan. Darsteller: Kim Coates, Tyler Ros, Sona Eyambe, Reno Wilson, Bruno Gunn. EuroVideo. Im Handel als DVD, Blu-ray und Steelbook (Blu-ray) zu haben.