Mort Walker (1923-2018)

Die USA sind das Mutterland des Zeitungscomics. Aber was an US-amerikanischen Comicstrips nach Deutschland vordringt, ist gerade mal eine Schöpfkelle aus dem Michigansee. Mort Walkers Geschichten um den ziemlich phlegmatischen Soldaten Beetle Bailey bestätigen leider diese Regel. In den USA erschien der Daily Strip über 70 Jahre, auf seinem Höhepunkt in 1700 Zeitungen und 50 Ländern, und darf somit zu den langlebigsten und erfolgreichsten der Welt gezählt werden. Man muss „Beetle Bailey“ wohl als eine Art Langzeitreflex seines Schöpfers begreifen: Mort Walker, 1923 geboren, war im Zweiten Weltkrieg als Offizier des militärischen Geheimdienstes in Europa stationiert, er sah die barbarischen Folgen des nationalsozialistischen Rassenwahns in den Konzentrationslagern und wurde darüber zum wertepatriotischen Verfechter des american way of life. Wie Thomas Klingenmaier in seinem schönen Nachruf für die Stuttgarter Zeitung schreibt: „Für ihn war die US-Armee trotz aller Fehler eine Kraft des Guten in einer zu Furchtbarem fähigen Welt.“ Die Gags in „Beetle Bailey“ geraten oft pragmatisch: meist rüde, manchmal zotig, selten kritisch.

Am 27. Januar 2018 ist Mort Walker im biblischen Alter von 94 Jahren in Connecticut gestorben. Wer sich nun hierzulande in sein Vermächtnis vertiefen mag, muss leider auf antiquarische Wege ausweichen: In Deutschland endeten die Publikationsversuche von „Beetle Bailey“ in den Achtzigern.

Foto © BBC