Donald Trump als orange Masse, Bill Clinton als Waffel – „Trump! Eine amerikanische Dramödie“

Schon im September 1987, als Donald Trump das erste Mal in den „Doonesbury“-Cartoons auftaucht, geht es um seine Kandidatur als amerikanischer Präsident: „Würde ich kandidieren, dann als Original, als ein liebgewordener Archetyp: der amerikanische Vermieter!“

Die Cartoons von G. B. Trudeau gelten in den USA als Seismograf für das politische Leben, Trudeau war einer der ersten, der die Wahl von Barack Obama zum amerikanischen Präsidenten vorhersagte. Mit den Trump-Auftritten in seinen Cartoons hat er schon vor 30 Jahren deutlich gemacht, was diesen hemdsärmeligen Geschäftsmann auszeichnet: Instinkt für gelungene Medieninszenierungen. Tatsächlich wird seine Spekulation über eine mögliche Präsidentschaftskandidatur von der Presse im Comic mit Elan aufgegriffen. Seine Verachtung für die Schwachen, die er als Vermieter ohne Skrupel auf die Straße wirft und sein größenwahnsinniger Machthunger – denn Donald Trump spekuliert ohne jede politische Erfahrung auf das Amt des Präsidenten:

Garry Trudeau (Text und Zeichnungen): „Trump. eine amerikanische Dramödie“.
Aus dem amerikanischen Englisch von Gerlinde Althoff. Splitter, Bielefeld 2017. 112 Seiten. 18,80 Euro

„Trump hat keine Chance. – Sicher hat er! Bei einer bestimmten Art von Wählern kommt er gut an. – Bei den armen Idioten. – Hören Sie Duke, ich brauche den richtigen Mann, um Buchanan davon abzuhalten, die Partei zu kapern, bis ich selbst kandidiere.“ Noch bis kurz vor seiner Wahl Ende 2016 schien es absurd, dass Donald Trump amerikanischer Präsident werden könnte, das macht G. B. Trudeau in seinen bonbonfarbenen „Doonesbury“-Cartoons immer wieder deutlich. Donald Trump tritt dabei als Karikatur seiner selbst auf: mit ordinär-wulstigen Lippen und groben Gesichtszügen. Sein Altern ist vor allem an der Frisur erkennbar: Der dichte braune Haarschopf wird mehr und mehr zur fusselig orange-toupierten Masse. Andere Figuren der Zeitgeschichte haben da weniger Glück: George Bush wird von Trudeau als ein vom Sternenbanner umhülltes Nichts verulkt und Bill Clinton schwebt immer nur als Waffel durchs Bild: „Manche Leute sagen, ich wär nur ein Gimmick-Kandidat. Aber wenn das stimmt, warum sind so viele gekommen? Unglaublich. … Sie sprechen mich auf der Straße an und sagen: Donald, Sie müssen dieses Land dem Kenianer wieder abnehmen.“

Je weiter man diesen Cartoonband „Trump – Eine amerikanische Dramödie“ liest, desto folgerichtiger scheint Trumps Wahlsieg am Ende zu sein. Ein Größenwahnsinniger, der mit Ignoranz und wüsten Rüpeleien jede Niederlage wegsteckt und alles niedermacht, was ihm im Weg steht. Dieses Motiv variiert der Cartoonist Trudeau immer wieder.

Warum aber wird das nicht langweilig? Und warum galt Trumps Wahlsieg bis zuletzt als unwahrscheinlich – schließlich erscheinen die Cartoons in den USA in rund 900 Zeitungen und erreichen ein Millionenpublikum. Letzteres lässt sich leicht beantworten. Denn der Cartoonband ist ein Konzentrat aller Trump Auftritte im „Doonesbury“-Universum. Tatsächlich liegen manchmal Monate, mitunter auch Jahre zwischen den einzelnen Pointen. „Solange ich Kandidat bin, müssen sie über mich schreiben. Das ist gut für die Marke Trump, die größer und größer und größer wird.“

Dazu hat der Cartoonist auch noch zahllose Nebenfiguren erfunden: Kriegsveteranen und Starlets, Karrieristen, Kiffer und Menschen unterschiedlichster sozialer Herkunft, die immer alles richtig machen wollen. Genau das macht diese Trump-Cartoon-Sammlung so kurzweilig: Neben Trump sind die Nebenfiguren mit ihren lakonischen Anmerkungen oft ein Gegenwicht. Und ganz nebenbei zeigt Trudeau auch noch, wie Trump so erfolgreich werden konnte: Alle, Gegner wie Fans haben nicht nur seine Castingshow „The Apprentice“ im Fernsehen gesehen – sondern auch jede Provokation im Wahlkampf diskutiert, sodass die Argumente der anderen Kandidaten gnadenlos untergingen.

„Sorry ihr Loser und Hasser, aber mein IQ ist der höchste!“ Trudeau spielt in seinen Cartoons immer wieder mit Trump-Zitaten. Das ist amüsant und gruselig zugleich – und eine großartige Trump-Satire in Echtzeit.

Hier findet sich eine Leseprobe.

Dieser Text erschien zuerst beim Deutschlandfunk.

Andrea Heinze arbeitet als Kulturjournalistin u. a. für kulturradio rbb, BR, SWR, Deutschlandfunk und MDR.